Die Berghexe (Chazara briseis) in den Landkreisen Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen. Gefährdungsursachen, Aussterbeprozesse sowie Sofortmaßnahmen zur Erhaltung einer dort früher häufigen und weit verbreiteten Art.

Bild 1: Berghexe Männchen, Eichstätt, 21. Juli 2022 (Foto: Thomas Netter)

Bild 2: Berghexe Weibchen, Gailachtal, 19. August 2021 (Foto: Norbert Dippold)

Summary: Chazara briseis is the characteristic species of rocky, stony, rough-soil nutrient-poor grasslands with patchy swards, usually dominated by sheep’s fescue (Festuca ovina agg.). These were found in large numbers along the river valleys in both districts. In the district of Neuburg-Schrobenhausen, these were stony calcareous grasslands in the Ussel valley and along the Danube, there was also an populations on larger sites called Brennen (open, dry floodplain sites alongside rivers.They are formed when a river deposits gravelly debris) that were still grazed at that time intensively. Slopes along the Altmühl, Anlauter, Gailach, in the Morsbachtal, in the Riedenburger Schambachtal and in the Wellheimer Trockental in the district of Eichstätt were or are still currently colonised. There are also occurrences in the quarry areas above Eichstätt and in the Gailach valley. Bachmann (1912) and Knörzer (1918), who described the species as a characteristic animal of the Eichstätt region, can be cited to indicate the former abundance of the species. Gauckler (1960) also refers to the species in the Jurassic Rock Heaths. In this article, the extinction processes and population declines of the former and current populations are precisely reconstructed, the various causes of endangerment are explained and the current population situation is presented on the basis of literature references, the authors own observations and data from the Butterflies in Bavaria portal. Information on immediate measures to help the species is also provided.

Chazara briseis ist die Charakterart felsiger, steiniger, rohbodenreicher Magerrasen mit lückiger Grasnarbe, die meist von Schafschwingel (Festuca ovina agg.) dominiert wird. Diese fanden sich in den beiden Landkreisen in großer Anzahl entlang der Flusstäler. Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen waren das steinige Kalkmagerrasen im Usseltal und entlang der Donau auch auf größeren damals noch beweideten Brennenstandorten. Hänge entlang der Altmühl, Anlauter, Gailach, im Morsbachtal, im Riedenburger Schambachtal und im Wellheimer Trockental im Landkreis Eichstätt waren oder sind noch aktuell besiedelt. Daneben noch Vorkommen in den Steinbruchgebieten oberhalb Eichstätts und im Gailachtal. Um die frühere Häufigkeit der Art zu nennen können Bachmann (1912) und Knörzer (1918) zitiert werden, der die Art als Charaktertier der Eichstätter Gegend bezeichnete. Auch Gauckler (1960) bezieht sich auf die Art in den Jurafelsheiden. Im vorliegenden Beitrag werden anhand von Literaturangaben, eigenen Beobachtungen und Daten aus dem Portal Schmetterlinge in Bayern die Aussterbeprozesse und Bestandsrückgänge der ehemaligen und aktuellen Vorkommen genau rekonstruiert, die verschiedenen Gefährdungsursachen erläutert und die aktuelle Bestandssituation dargestellt. Zudem werden Angaben für sofortige Artenhilfsmaßnahmen erläutert.

Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen verschwanden die zuerst von Müller (1976) genannten Funde in der weiteren Umgebung von Neuburg an der Donau durch Aufgabe der Beweidung (Königsdorfer 1996). In Thöny (1995) wird auch eine Brenne an der Donau mit Nachweis von 1975 gemeldet, dort sicher auch durch Aufgabe der intensiveren Beweidung verschwunden. Im Wellheimer Trockental gab es bei Hütting noch eine Einzelbeobachtung 1996. Eventuell handelt es sich dabei um einen dispergierenden Falter von der damals noch auf 50 Exemplare geschätzten Population bei Trugenhofen (Königsdorfer 1997), da die Habitate damals schon zu kleinflächig für Chazara briseis waren. Die Vorkommen im Usseltal scheinen leider durch Isolation und durch die zu extensive Beweidung der Flächen außerhalb der Kernfläche am Mantelberg erloschen zu sein. Von dort stammt der Letztnachweis von 2008. Die Fläche selbst erscheint auch heute noch als Habitat geeignet, die Nutzung ist seit der letzten Beobachtung gleich geblieben und seit den Beobachtungen von Königsdorfer haben Flächenerweiterungen stattgefunden. Es handelt sich um eine Koppelweide mit Schafen, Ziegen und Pferden mit großen Schotterflächen (Abb. 3).

Bild 3: Ehemaliges Habitat der Berghexe am Mantelberg bei Trugenhofen, Foto wurde am Tag des Letztnachweises erstellt. 7. August 2008 (Foto: Oliver Böck).

Die weitaus meisten Meldungen stammen aus dem Landkreis Eichstätt. Zuerst verschwand Chazara briseis an der Altmühl bei Beilngries am Arzberg und bei Dollnstein, dann im Riedenburger Schambachtal, von wo die letzte Meldung aus dem Jahr 1973 vom Kreutberg bei Altmannstein stammt. Im Anlautertal bei Titting wurde Chazara brisies noch bis 2003 nachgewiesen. Funde gelangen sowohl in den Schotterfeldern des Galgenberges als auch in den fels- und kalkscherbenreichen Bereichen des Vogelherdes (Abb. 4). Die Art konnte sich dort so lange halten, weil ein guter Habitatverbund mit großflächigen Magerrasen sowohl vor Ort als auch entlang der Anlauter aufwärts im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bei Bechthal bestand. Dort konnte sie 2009 noch an zwei Hängen nachgewiesen werden. Auch hier ist die Änderung der Beweidungsintensität als Hauptursache für das Aussterben in den beiden benachbarten Gebieten zu nennen. Inzwischen werden diese Flächen nach einer Umstellung wieder mehrfach in engem Gehüt beweidet, eine Wiederbesiedlung ist bisher leider nicht erfolgt. Überraschend ist ein Wiederfund in einem Seitental der Anlauter (Morsbachtal) (Abb. 5). In den letzten Jahren gab es immer wieder Einzelbeobachtungen. Durch Pflegemaßnahmen (Entbuschung) des LPV Eichstätt konnten die Habitatflächen vergrößert und eine bessere Vernetzung zwischen den einzelnen Teilflächen erreicht werden. Die Flächen werden auch wieder intensiver beweidet. Der Bestand ist akut vom Aussterben bedroht, Schutzmaßnahmen kommen vermutlich zu spät.

Bild 4: Ehemaliges Habitat am Vogelherd bei Titting, dort zuletzt 2003. 3. September 2014 (Foto: Oliver Böck)

Bild 5: Teilausschnitt des Habitats im Morsbachtal zu Beginn der ersten Pflegemaßnahmen, 4. August 2017 (Foto: Oliver Böck)

Im Gailachtal gibt es eine aktuell kurz vor dem Erlöschen stehende Population, für die bei Mörnsheim und Mühlheim langjährige Beobachtungen vorliegen, die den Rückgang detailliert dokumentieren. In den umliegenden Steinbrüchen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gelangen bis Mitte der 2000er Jahre immer wieder Einzelnachweise, wobei an beiden Standorten Anfang (Mörnsheim/Blauberg) bis Mitte (Mühlheim/Lorenzberg) der 2000er Jahre über 50 bis 100 Individuen nachgewiesen werden konnten. Danach ging die Beweidungsintensität zuerst in Mörnsheim zurück. Am häufigsten wurde die Art am südostexponierten Felshang unterhalb der Aussichtsbank oberhalb der Ortschaft beobachtet. In den letzten Jahren gelangen nur noch sporadische Einzelnachweise. Zuletzt wurden dort 2008 mehrere Tiere gefunden. Im Steinbruch auch davor meist nur Einzeltiere. In Mühlheim dienen drei Bereiche als Reproduktionshabitat, ein Holzlagerplatz, der flachere südwestexponierte und der steile südostexponierte Hangteil des Lorenzberges mit den angrenzenden Steinbruchhalden. Am Südwesthang wurde seit Anfang der 2010er Jahre keine Chazara briseis mehr nachgewiesen. Der Holzlagerplatz (Abb. 6), auf dem in den 2000er Jahren immer zwischen 10 und 30 Individuen gefunden wurden, eutrophierte Anfang der 2010er Jahre zusehends und es wurden meist nur noch Einzelexemplare oder gar keine Beobachtungen mehr gemacht. An den steilen, felsigen Südosthang (Abb. 7 und 8) ist die Beweidung meist zu gering und die Art steht kurz vor dem Aussterben, dort in den letzten Jahren nur noch Einzelexemplare, wo in den 2000er Jahren noch hohe Individuendichten festgestellt wurden. Im Steinbruch selbst finden sich kleinflächige Habitate auf initialen Magerrasen und an den Übergängen von Halden zu Magerrasen, die in den letzten Jahren vermutlich wesentlich zum Überleben der Art beigetragen haben. Zuletzt konnten 2016 am Lorenzberg mehr als 10 Exemplare der Art nachgewiesen werden.

Bild 6: Habitat Holzlagerplatz, Lorenzberg Mühlheim 23. August 2013 (Foto Oliver Böck)

Bild 7: Intensive Beweidung am Lorenzberg Südosthang als Pflegemaßnahme. damals dreimalige Beweidung in engem Gehüt. 31. Juli 2010 (Foto Thomas Netter)

Bild 8: Zu extensive zweimalige Hütebeweidung am Lorenzberg Südosthang, einer der Gründe für den starken Rückgang der Art. 23. Juli 2016 (Foto Oliver Böck)

Rund um die Stadt Eichstätt kam die Art auf zahlreichen Flächen sowohl in den Steinbrüchen bei Wintershof als auch in den steinigen Magerrasen oberhalb der Stadt vor. Nachdem die Nachweise aus dem Steinbruch Winterhof nach 2008 nur noch sporadisch gelangen (letzter Nachweis 2018), konnte 2014 ein Weibchen auf einer für die Art untypischen Fläche mit Vorkommen der Bergkronen-Widderchens (Zygaena fausta) gefunden werden. Diese Beobachtung und weitere Meldungen veranlassten den Autor, potentielle Habitate genauer zu untersuchen. Er fand eine kleine Population am Haselberg (Abb. 10) und kurz darauf eine Population mit über 30 Individuen am Doktorberg (Abb. 11). Diese Population war bis 2022 sehr stabil und es konnten zeitweise über 40 Individuen gezählt werden (Abb. 9). Die Tiere unterscheiden sich in der Zeichnung von den anderen Populationen in Bayern. Die Färbung erscheint bunter mit einem fast goldenen Farbton (Abb. 1 und 12). Dies scheint mit der anderen Farbe des Gesteins (höherer Tongehalt) dort zu korrelieren. Leider kam es 2023 zu einem Bestandseinbruch, es konnten nur noch maximal fünf Individuen beobachtet werden. Die Gründe dafür dürften in einer deutlichen Verkleinerung der Habitatflächen liegen. Chazara briseis flog 2014 noch auf einer zwei- bis dreimal so großen Fläche wie die aktuellen Funde, die sich auf einen sehr kleinen Bereich im westlichen Teil des steinigen und dort intensiv beweideten Südhanges konzentrieren. Alle anderen ehemals besiedelten Flächen sind aufgrund der höheren Vegetation für die Art nicht mehr geeignet. Vermutlich spielen hier die erhöhten Stickstoffeinträge eine Rolle, die zu einer Bromisierung bzw. Vertrespung der Habitate führen. Auch hier besteht inzwischen ein sehr hohes Aussterberisiko.

Bild 9: Anzahl der maximal beobachteten Imagines am Doktorberg pro Jahr. Jahre 2019 und 2020 nicht gewertet, da zur Hauptflugzeit kein Besuch der Habitatflächen.

Bild 10: Habitat am Haselberg bei Eichstätt, 18. August 2014 (Foto Oliver Böck)

Bild 11: Habitat am Doktorberg bei Eichstätt, 18. August 2023 (Foto: Oliver Böck)

Bild 12: Berghexe Weibchen, Eichstätt Doktorberg, 20. August 2021 (Foto: Thomas Netter)

Chazara briseis ist im Untersuchungsgebiet in den letzten 20 Jahren sehr stark zurückgegangen und steht dort kurz vor dem Aussterben. Als Hauptgründe gelten die Abnahme der Beweidungsintensität, die Sukzession und damit das Einwachsen von Kalkscherben in die Vegetation, sowie das verschwinden von Rohbodenstellen. Das Mikroklima der Lebensräume verändert sich und ist für die Art nicht mehr geeignet. Zudem führt die Vertrespung der Magerrasen durch Stickstoffeinträge zu einem schnelleren Aufwuchs und einer Veränderung des Vegetationsbildes. Die Aufrechte Trespe (Bromus erectus) dominiert inzwischen viele Kalkmagerrasen, die zunehmend verfilzen. Als akute Sofortmaßnahmen für den Lorenzberg sollte eine Beweidung in engem Gehüt drei- bis viermal im Jahr erfolgen und über rohbodenöffnende Maßnahmen entlang der Hangkante, der Plateauflächen und des Holzlagerplatzes nachgedacht werden, um die Habitatflächen wieder zu vergrößern. Der erste Weidegang sollte spätestens Mitte Mai erfolgen, um dem Aufwuchs entgegenzuwirken. Alternativ könnte am Steilhang eine temporäre Ziegenkoppel mit geringer Besatzdichte, mit einem Nachtpferch außerhalb der Fläche eingerichtet werden. Gleiches gilt für den Ober- und Mittelhang des Doktorberges. Die Habitatfläche muss wieder vergrößert werden, wobei Maßnahmen zur Öffnung des Rohbodens bei Verfilzung der Flächen zu diskutieren sind. Ein Nachzuchtprogramm scheint heute für die Erhaltung der Art unerlässlich zu sein. In Tschechien konnte die Art dadurch an mehreren Stellen wieder etabliert werden (Sucháčková Bartoňová et al. 2021). Auf beiden Flächen ist ein drei- bis viermaliges Monitoring pro Jahr erforderlich. Dies soll auch im Morsbachtal erfolgen, um die Populationsgröße genauer zu bestimmen. Bei Trugenhofen und Titting kann bei erfolgreicher Erhaltungszucht an eine Wiederansiedlung der Art gedacht werden. Die Pflege ist inzwischen wieder auf Chazara briseis abgestimmt. Meldungen an das Portal Schmetterlinge in Bayern sind gerne erwünscht.

Literatur:

Bachmann, M. (1912): Beobachtungen über blütenbesuchende Insekten in der Eichstätter Alp. – Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 003: 14-16.

Gauckler, K. (1960): Die Schmuckwanze Eurydema f. fieberi Fieber in der Felsheide der Frankenalb. – Nachrichtenblatt der bayerischen Entomologen 9(11): 105-111.

Knörzer, A. (1918): Beiträge zur Kenntnis der mittelfränkischen Insektenfauna. Beilage Wissenschaftliche Beilage zum Jahresberichte der katholischen Universität Eichstätt 1917/18. 1-15.

Königsdorfer, M. (1997): Die Berghexe (Chazara briseis L. Satyridae) in Schwaben und angrenzenden Gebieten – Berichte des naturwiss. Vereins für Schwaben, Augsburg – 101: 69 – 87.

Müller , R. (1976): Die Tagfalter aus den Beobachtungsgebieten Augsburg – Donauwörth – Neuburg/D. Eichstätt – Dollnstein – Mühlheim.

Sucháčková Bartoňová, A.; Konvička, M.; Marešová, J.; Bláhová, D.; Číp, D.; Skala, P.; Andres, M.; Hula, V.; Dolek, M.; Geyer, A.; Böck, O.; Kadlec, T.; Faltýnek Fric, Z. (2021): Extremely Endangered Butterflies of Scattered Central European Dry Grasslands Under Current Habitat Alteration. Insect Systematics and Diversity. Volume 5, Number 5 – 1-18.

Thöny, H. (1995): Beitrag zur Schmetterlingsfauna der Region Ingolstadt, Eichstätt: Dokumentation der Grossschmetterlinge von Ingolstadt und seiner Umgebung ; Festschrift 25 Jahre Entomologische Gesellschaft Ingolstadt e.V. S.256

Ehemalige Verbreitung und aktuelle Bestandssituation des Streifenbläulings (Polyommatus damon) in der Südlichen Frankenalb.

Bild 1: Streifenbläuling Männchen, Gailachtal, 8. Juli 2015 (Foto Oliver Böck)

Bild 2: Streifenbläuling Weibchen, Gailachtal, 25. Juli 2013 (Foto: Markus Dumke)

Aussterbeprozesse von Tagfalter lassen sich an Hand von jahrelangen eigenhändigen Aufzeichnungen und Literaturrecherche in manchen Gebieten besonders gut darstellen. Polyommatus damon ist im Untersuchungsgebiet der Südlichen Frankenalb ein Bewohner von niedrigwüchsigen mageren und lückigen Kalkmagerrasen mit reichlichen Beständen der Raupenfutterpflanze Futteresparsette (Onobrychis viciifolia). Dabei handelt es sich meist um Hänge in südwestlicher bis südöstlicher Exposition. Daneben werden noch Initialmagerrasen mit Esparsettenbeständen in den Steinbrüchen oder Wegböschungen besiedelt. Der Streifenbläuling war früher in der Südlichen Frankenalb mit einigen Fundorten vertreten und zeigte in einigen Gebieten eine weitere Verbreitung wie zum Beispiel in den Steinbrüchen und Magerrasen rund um Solnhofen und im Gailachtal. Dort kam er durch die günstige Verzahnung von Steinbrüchen und Kalkmagerrasen in einem Metapopulationssystem vor. Heute gibt es im ganzen Gebiet wahrscheinlich nur noch eine isolierte Population, die trotz Pflegemaßnahmen kurz vor der Extinktion steht.

In der Südlichen Frankenalb war die Verbreitung schon immer auf die Altmühl, die Anlauter, die Donau und das Wellheimer Trockental beschränkt. Schmid (1885) hat die Art in der Umgebung von Kelheim nachgewiesen, dort von Metschl und Sälzl (1923) nicht mehr gefunden. Diese führten das Gebiet entlang der Donau zwischen Bad Abbach und Oberndorf, sowie die Mattinger Hänge an. Ein Vorkommen an der Anlauter bei Emsing. In der Gegend um Eichstätt war die Art zu Beginn des 20. Jahrhunderts häufig, wie die zahlreichen Blütenbeobachtungen belegen (Bachmann 1912). Knörzer (1918) nannte sie sogar als sehr häufig für den Juli und den August. Müller (1976) fand die Art um Dollnstein und im Wellheimer Trockental. Wahrscheinlich aus dem Katzental stammt der von Thöny (1995) angegebene Fund von 1973. Noch in den 1980er und Beginn der 1990er Jahren war die Art nicht selten in den Magerrrasen und Steinbrüchen in der weiteren Umgebung von Solnhofen bis in das Treuchtlinger Schambachtal. Ein starkes Vorkommen bei Haunsfeld (Dolek 1994) wurde nachweislich durch die Umstellung der Beweidung durch die UNB in den 1990er Jahren ausgerottet, denn gezielte Nachsuchen in den 2000er Jahren erbrachten keine Bestätigung des Vorkommens mehr.

Noch Anfang der 2000er Jahre konnte der Streifenbläuling auf folgenden vier Flächen regelmäßig und teilweise in größerer Stückzahl nachgewiesen werden. Mörnsheim Blauberg und Horstberg mit Steinbrüchen, Mühlheim Lorenzberg und Tagmersheimer Leite mit Steinbrüchen (Übersicht der Fundorte in Bild 3). Die letzten Beobachtungen aus den direkt umgebenden Flächen rund um Mühlheim stammen alle von 2006. Hiefür dürften unter anderem falsche Beweidungszeitpunkte verantwortlich sein. Der letzte Fund aus einem anderen Gebiet stammt von einem Weibchen aus den Steinbrüchen in der Langenaltheimer Haardt ebenfalls aus dem selben Jahr. Danach konnte die Art zwischen 2006 und 2010 nicht mehr wiedergefunden werden. Am Horstberg erfolgten zwei Nachweise in den letzten 10 Jahren, während sie bis 2020 in den Magerrasen am Blauberg mit Steinbruch regelmäßig gefunden wurde, meist an den selben Stellen, teilweise mit mehreren Exemplaren so in den Jahren 2013 und 2015. Der aktuelle Letztnachweis stammt aus beiden Gebieten aus dem Jahr 2022.

Der aktuellste Fundort ist der magerste und lückigste im ganzen Hangbereich, der nun wieder mit deutlich besseren Onobrychis-Vorkommen bestanden ist, was an der auf die Art mittlerweile abgestimmten Beweidung liegt (Bild 4).

Bild 3: Ehemalige und aktuelle Verbreitung des Streifenbläulings in der Umgebung von Solnhofen

Bild 4: Teilausschnitt des Habitats des Streifenbläulings, Gailachtal, 19. Juli 2013 (Foto: Thomas Netter)

Leider konnte der Streifenbläuling im Jahr 2023, trotz mehrerer Nachsuchen, nicht mehr im Gailachtal gefunden werden. Es besteht ein sehr hohes Aussterberisiko trotz einer nun seit mehreren Jahren auf Polyommatus damon abgestimmten Beweidung. Ein Grund dafür liegt in der Vertrocknung der Esparsetten in den letzten heißen Sommern. Die Keimung der Pflanzen verlief nicht optimal und es wurden nur selten kräftige und vitale Bestände gefunden, welche bei der Eiablage präferiert werden. Da es aber zwischen 2006 und 2010 ebenfalls keine Funde gab und die Art sich dort seit fast 20 Jahren auf einem niedrigen Individuenniveau hält, lässt eine weitere Nachsuche mit mehreren Leuten in diesem Jahr für sinnvoll erscheinen. Jede Meldung ist gerne auf unserem Portal erwünscht.

Ein besonderer Dank gilt Dieter Kleiser für die Übermittlung von Daten bei Mühlheim aus den 1990er Jahren.

Literatur:

Bachmann, M. (1912): Beobachtungen über blütenbesuchende Insekten in der Eichstätter Alp. – Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 003: 14-16.

Dolek, M. (1994): Der Einfluss der Schafbeweidung von Kalkmagerrasen in der Südlichen Frankenalb auf die Insektenfauna (Tagfalter,Heuschrecken). Agrarökologie Bd. 10, 126 S., Haupt Verlag, Bern.

Knörzer, A. (1918): Beiträge zur Kenntnis der mittelfränkischen Insektenfauna. Beilage Wissenschaftliche Beilage zum Jahresberichte der katholischen Universität Eichstätt 1917/18. 1-15.

METSCHL, C., SÄLZL, M. (1923): Die Schmetterlinge der Regensburger Umgebung unter Berücksichtigung früherer Arbeiten, insbesondere der „Lepidopteren-Fauna der Regensburger Umgegend mit Kelheim und Wörth von Anton Schmid. 1. Teil: Großschmetterlinge.

Müller, R. (1976): Die Tagfalter aus den Beobachtungsgebieten Augsburg-Donauwörth-Neuburg/D.-Eichstätt-Dollnstein-Mühlheim.

Schmid, A. (1885): Die Schmetterlinge der Regensburger Umgegend mit Kehlheim und Wörth.

Thöny, H. (1995): Beitrag zur Schmetterlingsfauna der Region Ingolstadt/Eichstätt Dokumentation der Großschmetterlinge von Ingolstadt und seiner Umgebung – facetta – Berichte der Entomologischen Gesellschaft Ingolstadt e.V. – Supp1: 1 – 255.

Zur aktuellen Bestandssituation der Hofdame (Arctia aulica) in Bayern. Ein Beitrag zum Verhalten, zu Gefährdungsgründen, ökologischen Bedürfnissen und Schutzmaßnahmen eines vom Aussterben bedrohten Bärenspinners.

Foto 1: Hofdame, Landkreis Bad Kissingen, 10. Mai 2009 (Foto: Maximilian Schmucker)

Foto 2: Hofdame, Landkreis Forchheim, 8. Mai 2010 (Foto Jürgen Mayrock)

Summary: Unfortunately, there is no precise overview of the distribution of many extremely attractive and rare moth species in Bavaria. This article aims to close one of these gaps to a large extent. The new findings of the Brown Tiger Moth (Arctia aulica) in the Main Franconia region were a good reason to check old literature data and to map the current distribution of the species as accurately as possible. In doing so, own behavioral observations of adults and caterpillars are discussed and the current and, as far as reconstructable, former situation in the individual natural areas is presented. Endangerment factors are also mentioned and the habitat is described in words and pictures. Where appropriate, there are suggestions for follow-up searches and the form of current maintenance of the areas is discussed. In order to illustrate the value of these areas, the authors name further valuable species of these mostly very xerothermic biotopes. The current distribution in Main Franconia is described in detail, a further distribution can be assumed along highway embankments and surrounding areas. The habitats there are less xerothermic than in other regions. As the species only occurs extremely locally in Germany and is listed as threatened with extinction in the current Red List, it should also be treated as a priority in maintenance measures, as it only has reasonably stable populations in two other federal states (Thuringia and Brandenburg), Bavaria has a special responsibility to preserve the species. Reports can be submitted to the portal https://www.schmetterlingebayern.de/.

Leider gibt es zu vielen äußerst attraktiven und seltenen Nachtfalterarten keine genaue Übersicht über deren Verbreitung in Bayern. Eine dieser Lücken soll mit diesem Artikel weitgehend geschlossen werden. Durch die Neufunde der Hofdame (Arctia aulica) in Mainfranken war dies ein gegebener Anlass alte Literaturangaben zu prüfen und die aktuelle Verbreitung der Art möglichst genau abzubilden. Dabei wird auf eigene Verhaltensbeobachtungen der adulten Tiere eingegangen und die aktuelle und so fern rekonstruierbar ehemalige Situation in den einzelnen Naturräumen dargestellt. Dabei werden ebenfalls Gefährdungsfaktoren genannt und das Habitat in Wort und Bild gezeigt. Wo sinnvoll, gibt es Anregungen zur Nachsuche und die Form der aktuellen Pflege der Flächen wird erörtert. Um die Wertigkeit dieser Gebiete darzustellen, nennen die Autoren weitere wertgebende Arten dieser meist sehr xerothermen Biotope. Die aktuelle Verbreitung in Mainfranken ist genau dargestellt, eine weitere Verbreitung kann man entlang von Autobahnböschungen und umgebenden Flächen vermuten. Die Habitate sind dort weniger xerotherm wie in anderen Regionen. Da die Art in Deutschland nur äüßerst lokal vorkommt und in der noch aktuellen Roten Liste als vom Aussterben bedroht geführt wird, soll sie ebenfalls prioritär bei Pflegemaßnahmen behandelt werden, da sie sonst nur noch in zwei anderen Bundesländern (Thüringen und Brandenburg) halbwegs stabile Vorkommen besitzt, hat Bayern eine besondere Verantwortung zum Erhalt der Art. Meldungen können gerne in das Portal https://www.schmetterlingebayern.de/ eingegeben werden.

Die Hofdame (Arctia aulica) aus der Unterfamilie der Bärenspinner (Arctiinae), ist in Bayern sehr lokal in verschiedenen Naturräumen vertreten. Die Männchen fliegen tagsüber meist am späten Vormittag und um die Mittagsstunden und kommen nicht ans Licht, während sich die Weibchen meistens in der Vegetation verkriechen. Im Raupenstadium ist die Art deutlich einfacher nachzuweisen. Hierzu eignen sich besonders zwei Zeiträume: An den letzten warmen Herbsttagen laufen die Larven in ihrem Habitat auf der Suche nach Überwinterungsverstecken in der für Bärenspinner typischen schnellen Gangart herum und sind dann besonders entlang von Wegen leicht zu entdecken. Oft findet man dort auch tote Larven. Im Spätwinter oder im zeitigen Frühjahr verlassen die Raupen an den ersten warmen Tage ihre Verstecke wieder und begeben sich auf Nahrungssuche, wobei sie wiederum umherlaufend angetroffen werden können. Manchmal werden die Raupen auch einige Wochen später auf der Suche nach einem Verpuppungsplatz noch einmal gefunden. Im letzten Raupenstadium sind die Haarbüschel auf dem Rücken und an den Seiten der Larven auffallend fuchsrot gefärbt (Foto 8). Unmittelbar vor und nach der Überwinterung gefundene Larven sind meist nur an der unteren Körperhälfte rötlich gefärbt (Foto 6). Auffallend sind besonders die sehr langen Haare am Hinterleib. Nachdem Meldungen zu dieser Art bis in die Mitte der 2010er Jahren spärlich waren, ergaben sich teilweise überraschende Neufunde in Mainfranken in gut untersuchten Gebieten.

Laut Metschl & Sälz 1932-35 war die Art fast gewöhnlich für viele Lokalitäten im Kalk- und Granitgebiet um Regensburg, Einst an der Naab und der Donau. Neumayr et al. 1987 konnten die Art nur noch um Kallmünz feststellen, dort damals schon stark gefährdet und seit 2008 (Kallmünz, Eicher Berg) nicht mehr gefunden, trotz einiger Nachsuchen. Die lückigen flechtenreichen Erdseggenrasen sind nur noch kleinflächig vorhanden. Die besiedelten Bereiche unterhalb der Felsen verbuschen zusehends (Foto 2). Rückgang ebenfalls durch Bromisierung der Magerrasen (mehr Grasaufwuchs durch Stickstoffeinträge) sowie die Umstellung der Beweidung von Hütehaltung auf Koppelhaltung mit zu hoher Besatzdichte, was sich auch auf andere Arten wie den Westlichen Quendelbläuling (Pseudophilots baton) äußerst negativ auswirkte. Beide Arten kommen dort nicht mehr vor. Das gleiche Schicksal könnte auch die Regensburger Sandbiene (Andrena aberrans) ereilt haben. Seit 2010 dort, trotz intensiver Nachsuchen nicht mehr gefunden, damals noch Nachweise vom Schloßberg Naabtalhang und vom Hirmesberg.

Foto 3: Ehemaliges Habitat der Hofdame, Kallmünz, Eicher Berg, Letztnachweis 2008, 28. Juni 2021. Foto: Oliver Böck

Ein Nachweis von 2004 aus dem Unteren Altmühltal (Südliche Frankenalb) konnte in den letzten Jahren nicht bestätigt werden. Gemähte Flächen sind verzahnt mit Steinschutthalden mit Nachweisen zur Rotflugeligen Ödlandschrecke (Oedipoda germanica). An der Brandt bei Kelheim kommt diese seltene Heuschrecke ebenfalls vor, eine erfolgreiche Wiederentdeckung der Hofdame ist eventuell noch möglich. Wahrscheinlich aus den Plattenkalk-Steinbrüchen oder Magerrasen in deren Umgebung bei Wintershof stammen zwei Belegexemplare aus den Jahren 1973 und 1983 (Thöny 1995). Das Gebiet ist bekannt für seine reiche Fauna. Parnassius apollo, Polyommatus daphnis und auch hier Oedipoda germanica sind zu nennen. Geeignete Habitate finden sich im Landkreis noch an verschiedenen Stellen unter anderem am Doktorberg und benachbarten Hängen bei Eichstätt oder in den verschiedenen Steinbrüchen zwischen Eichstätt und Langenaltheim. Am Hahnenkamm im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wäre eine Nachsuche von Interesse, da dort ebenfalls ehemalige Branntkalkentnahmestellen und scherbenreiche sowie flechtenreiche und lückige Kalkmagerrasen bestehen.

In der Nördlichen Frankenalb im Staffelberggebiet und Umgebung ehemals weiter verbreitet. Letztnachweis von 1995 am Staffelberg und am Morgenbühl. Aktuelle Situation dort unklar wie Im Weismainjura wo ebenfalls von der Kötteler Leite ein Nachweis aus 1995 stammt (Hacker 1995). Ein Vorkommen bei Forchheim. Dort aktuell in einem xerothermen, steilen, felsigen und lückigen Magerrasen gefunden (Foto 4). Dieser weißt ebenfalls einen Anteil an Kalkschuttfluren auf und wird durch eine gemischte Schaf- und Ziegenherde (Merinoschafe und Burenziegen) beweidet Diese wird außerhalb der für die Hofdame relevanten Flächen gepfercht. Teilbereiche werden teilweise zweimal bestossen. Weitere ehemalige Fundorte werden in Wittstadt (1960) genannt, leider ohne präzises Datum. Daneben noch ältere Funde aus dem Muschelkalkzug zwischen Bayreuth und Kulmbach dort zuletzt 1993 (schriftl. Mitt Gick), bei Bayreuth 1964 (Rössler 1969). Gemein ist allen Fundorten, dass die Art einst auf allen Flächen mit anderen xerothermen Arten wie z.B. der Berghexe (Chazara briseis) gemeinsam vorkam. Weidemann & Leitz (1995) nannten die Hofdame, zusammen mit dieser, als Charakterart der Werkkalkstufe scherben- und flechtenreichen Magerrasen unter anderem in der näheren Umgebung zu Branntkalkentnahmestellen am Morgenbühl und am Staffelberg. Die Kötteler Leite ist ein felsenreicher xerothermer Hang von dem es von 2015 bis 2018 Nachweise von Parnassius apollo gibt (Geyer 2019). Leider sind diese Vorkommen durch Verbuschung und Eutrophierung bedroht. Art ist für Massenwechsel durch Prädatoren und den Befall mit der Pilzart Empusa aulicae bekannt. Am Staffelbergplateau damals durch Düngung verschwunden.

Foto 4: Hofdame Larvalhabitat, felsenreicher und lückiger Magerrasen im Landkreis Forchheim, 10. April 2009 (Foto: Jürgen Mayrock)

Überraschenderweise derzeit viele Neufunde.in Mainfranken. Einerseits auf der Marktheidenfelder Platte in einem Kalkmagerrasen und auf einem steinigen Bahndamm festgestellt. Andererseits auf der Wern-Lauer-Platte regelmäßig in durch Wintermahd offengehaltenen, in früherer Zeit beweideten Kalkmagerrasen (dort auch Falternachweise). Diese Pflegeform besteht auf Grund eines Wasserschutzgebietes. Gute Bestände des Zahnflügelbläulings (Polyommatus daphnis) (Böck 2024), andere wertgebende Arten wie der Streifenbläuling (Polyommatus damon) erst kürzlich ausgestorben. Die Hofdame wurde schon von Stöckert (1978) dort beobachtet. In jüngster Zeit auch Nachweise entlang der 2005 fertiggestellten Autobahn A 71. Eine weitere Verbreitung in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld erscheint möglich, da die Autobahnböschungen in Kombination mit den Ausgleichsflächen als gut verzahnter Ausbreitungskorridor dienen könnten. Gesucht werden sollte entlang von steinigen Straßenböschungen an benachbarten Wegrändern, Magerrasen und Trockenwiesen, vor allem in der Nähe der Autobahn. Beispiele hierfür sind die Ausgleichsflächen und Strassenböschungen zwischen der Ausfahrt Bad Kissingen Oerlenbach bis zum Esenberg südöstlich von Strahlungen und am Autobahnkreuz Bad Neustadt, Diese Flächen werden teilweise gemäht. Die Art scheint in Mainfranken auch andere Ersatzhabitate wie Bahnstützdämme anzunehmen, dort und in benachbarten Magerrasen sollte genauer nach ihr gesucht werden, Funde vor allem auf der Wern-Lauer-Platte teilweise nicht so xerotherm wie in der Literatur oft angenommen (Fotos 5 und 6).

Foto 5: Larve der Hofdame im Habitat, Landkreis Bad Kissingen,15. Februar 2024 (Foto: Maximilian Schmucker)

Foto 6: Hofdame Larvalhabitat auf einer Kalkmagerrasen-Lichtung im Landkreis Rhön-Grabfeld, 24. Februar 2024 (Foto: Maximilian Schmucker)

Foto 7: Hofdame jüngeres Larvalstadium auf einer Kalkmagerrasen-Lichtung im Landkreis Rhön-Grabfeld, 24. Februar 2024 (Foto: Maximilian Schmucker)

Zudem findet sich die Hofdame im Naturraum Passauer Abteiland und Neuburger Wald an zwei Strassenböschungen. Im Gegensatz zu allen anderen aktuellen bayerischen Fundorten hier auf Urgestein (Granit) und nicht auf Kalk. Der Fundort (Foto 8) ist durch seinen xerothermen Charakter gekennzeichnet und leider durch Verbuschung bedroht. Eine ständige Nachpflege (Entbuschungsmaßnahmen) ist dringend notwendig. Weiterhin ein großes Aussterberisiko durch die Isolation und das Überfahren der umherwandernden Raupen. Ein Pflegeplan muss dabei gezielt auf diese Art abgestimmt werden. Desweiteren durch Stickstoffeinträge (Bromisierung) gefährdet. Die Festuca-Horste auf felsigen Untergrund sind dort das Larvalhabitat. Kratochwill fand auch eine erwachsene Raupe an Spitzwegerich (Plantago lanceolata) und ein Eigelege an Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia) (www.schmetterlinge-deutschland.de). Der lückige Charakter der Fläche gehört dringend erhalten, über rohbodenöffnende Maßnahmen muss dringend nachgedacht werden.

Foto 8: Hofdame Lebensraum Strassenböschung, 13. Mai 2018 Landkreis Passau (Foto: Oliver Böck)

Foto 9: Hofdame erwachsene Raupe, Landkreis Passau, 22. März 2024 (Foto: Dr. Rudi Ritt)

Insgesamt ist die Hofdame weiterhin bundesweit vom Aussterben bedroht. Aufgrund der geringen Verbreitung in Deutschland besitzt Bayern eine hohe Verantwortung zur Erhaltung der Art. Zusammen mit den Beständen in der Oberlausitz und Thüringen dürften die bayerischen Vorkommen die stabilsten sein. Die oben genannten Gefährdungsursachen müssen reduziert (auch Gefährdung der umherwandernden Raupen durch PKW`s und Fahrräder möglicherweise durch Hinweisschilder zu minimieren) und eine genauere Untersuchung zu den Populationen in Mainfranken und im Staffelberggebiet sollte dringend angestossen werden. Dabei sollte man speziell auf die Habitatansprüche achten, um ein optimales Pflegeregime für Arctia aulica zu gewährleisten. Meldungen zur Art sind auf unserem Portal gerne erwünscht. Die aktuelle Verbreitung kann ebenfalls hier abgerufen werden.

Dieser Artikel wurde von Maximilian Schmucker (vor allem Beobachtungen zu den neuen Vorkommen in Mainfranken) und Oliver Böck (Literaturrecherche, Gefährdungs- und Schutzmaßnahmen in den Gebieten außerhalb Mainfrankens), gemeinsam erstellt.

Ein besonderer Dank gilt den Bildliferanten Dr. Rudi Ritt und Jürgen Mayrock, sowie in memoriam Manfred Gick für die Überlassung seiner Daten zu interessanten Arten.

Onilneliteratur:

Böck, O.: Gefährdungslage des Zahnflügelbläulings (Polyommatus daphnis) in Bayern. Blog zu Schmetterlinge in Bayern. https://blog.schmetterlingebayern.de/2024/03/30/gefaehrdungslage-des-zahnfluegelblaeulings-polyommatus-daphnis-in-bayern/

Kratochwill, M. (2024): Arctia aulica – Artseite der Spezies: http://www.schmetterlinge-deutschland.de/mod/arten-portraits.php?gruppe=ALLE&familie=ALLE&gattung=ALLE&art=aulica&dtname=ALLE&submit_ok=Portraits%20anzeigen&thumbgroesse=klein&bildgroesse=klein&mainindex=none&arten_zusatzindex=ON&sortorder=kr_nr&openmethod_ag=_blank&resultpage=arten-portraits. abgerufen am 20.04.2024

Literatur:

GEYER, A. (2019): Der Apollofalter im Kleinziegenfelder Tal – Erhaltung und Sicherung der letzten Population in der Fränkischen Schweiz.– ANLiegen Natur 41(1): 113–122, Laufen

Hacker, H. (1995): Bestandsentwicklung und -rückgang einheimischer Schmetterlinge in diesem Jahrhundert, dargestellt am Beispiel des Landkreises Lichtenfels (nördlichster Frankenjura) (Insecta: Lepidoptera). Beiträge zur bayerischen Entomofaunistik 1: 97–149.

Metschl, C. & Sälzl, M. (1932-35): Die Schmetterlinge der Regensburger Umgebung. Dt. Ent. Z. Iris 46 (1932): 144-152; 47 (1933) 41-59, 167-187; 48 (1934) 78-104, 161-183; 49 (1935) 58-64. Dresden.

Neumayr, L., Segerer, A.H., Fenzl, P.; Neuner, A. (1987): Interessante „Makrolepidopteren“ – Funde aus Regensburg und Umgebung (2) (3. Beitrag zur Kenntnis der Schmetterlingsfauna von Regensburg) – Galathea, Berichte des Kreises Nürnberger Entomologen e.V. – 3: 128 – 140.

Rössler, G. (1969): Schmetterlingsbeobachtungen am Untersteinacher Weinberg. Teil 2: Spinner und Schwärmer — Berichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth 13 – Seite 149-162.

Stöckert, B. (1978): Die Spinner und Schwärmer des Bamberger Umlandes – Bericht der naturforschenden Gesellschaft Bamberg – 53: 100 – 143.

Thöny, H. (1995): Beitrag zur Schmetterlingsfauna der Region Ingolstadt/Eichstätt Dokumentation der Großschmetterlinge von Ingolstadt und seiner Umgebung – facetta – Berichte der Entomologischen Gesellschaft Ingolstadt e.V. – Supp1: 1 – 255.

Weidemann, H.J. & Leitz, F. (1995): Zu Rückgang bzw. Verschwinden von xerothermen Schmetterlingen und Heuschrecken in der nördlichen Frankenalb – unter Berücksichtigung der traditionellen Bewirtschaftungsform „kleinbetriebliche Branntkalkgewinnung“ – Bericht der naturforschenden Gesellschaft Bamberg – 70: 47 – 76.

Wittstadt, H. (1960): Die Großschmetterlinge des Regnitzgebietes – Bericht der naturforschenden Gesellschaft Bamberg – 37: 62 – 154.

Das Felshalden-Flechtenbärchen (Setina roscida) in Bayern. Neues zu aktuellen Beobachtungen, Ökologie, Habitatpräferenzen, Gefährdungslage und Schutzmaßnahmen einer der seltensten Nachtfalterarten Deutschlands.

Felshalden-Flechtenbärchen, Landkreis Kelheim, 03. Juni 2017 (Foto: Oliver Böck)

Summary: Setina roscida is a diurnal moth from the subfamily of the beetle moths (Arctiinae), it is considered the leading species of variegated earth lichen communities. In Bavaria, the nominate species Setina roscida roscida is found, while the populations in north-eastern Germany belong to the subspecies Setina roscida kuhlweinii. It is one of the rarest moth species in Germany and current records (after 2010) of the nominate species exist outside Bavaria only from the Nahe in Rhineland-Palatinate. This article describes the current population situation of the species, which is threatened with extinction throughout Germany and Bavaria, with a special focus on the current occurrences in Bavaria. Through literature research, the former distribution of the species could be determined in more detail. Observations on the behavior of the larvae as well as the habitat preferences (rocky steppe heaths and and xerotherm sedge grasslands) of this species are presented. In addition, information is provided on the current endangerment situation, on protection and conservation measures and on other special species with which Setina roscida shares former and current habitats, such as the spider species Eresus sandaliatus. Distinctive features of Setina irrorella, which also occurs at the flight site near Kelheim, are mentioned. Searches in Main Franconia are of particular importance, as the last records from there date back to 2012. Potential and former habitats there are mentioned, while the author has searched along the rivers Laaber and Naab several times without success. Please report the species to the portal https://www.schmetterlingebayern.de/

Das Felshalden-Flechtenbärchen (Setina roscida) ist ein tagaktiver Nachtfalter aus der Unterfamilie der Bärenspinner (Arctiinae), Es gilt als Leitart von Bunten Erdflechtengesellschaften. In Bayern kommt die Nominatart Setina roscida roscida vor, während die Populationen in Nordostdeutschland zur Unterart Setina roscida kuhlweinii gerechnet werden. Sie ist eine der seltensten Nachtfalterarten in Deutschland und aktuelle Nachweise (nach 2010) zur Nominatart existieren außerhalb von Bayern nur noch von der Nahe in Rheinland-Pfalz. In diesem Artikel wird die aktuelle Bestandssituation der bundes- und bayernweit vom Aussterben bedrohten Art dargelegt, mit speziellen Blick auf die aktuellen Vorkommen in Bayern. Durch Literaturrecherche konnte die frühere Verbreitung der Art näher eruiert werden. Beobachtungen zum Verhalten der Larven, sowie die Habitatpräferenzen (Felssteppenheiden und xerotherme Erdseggenrasen) dieser Art werden aufgezeigt. Daneben finden sich noch Angaben zur aktuellen Gefährungslage, zu Schutz- und Pflegemaßnahmen und zu anderen besonderen Arten mit der sich Setina roscida die ehemaligen und aktuellen Lebensräume teilt, wie zum Beispiel mit der Spinnenart Eresus sandaliatus. Unterscheidungsmekrmal zu Setina irrorella, die auch am Flugort bei Kelheim vorkommt, werden genannt. Von besonderer Bedeutung sind Nachsuchen in Mainfranken, da von dort zuletzt Nachweise von 2012 stammen. Potentielle und ehemalige Habitate dort werden genannt, während der Autor entlang der Flüsse Laaber und Naab mehrmals erfolglos gesucht hat. Meldungen zur Art bitte an das Portal https://www.schmetterlingebayern.de/

Beobachtungen der Art von 11-17 Uhr, gegen 15 Uhr durch Steffen Schmidt Nachweise zu Paarungsflügen wo bis zu fünf Individuen gefunden werden konnten (https://forum.lepiforum.org). Zumindest unter Zuchtbedingungen und bei Gabe von befeuchtetem Moos konnte er die Raupen in der letzten Haut unter tags beobachten. Seine Beobachtungen werden hier wörtlich übernommen: „Im Schatten oder bei Bewölkung ganztags, bei praller Sonne nur in schattigen Ritzen zwischen Steinen und Moos, welches sie dann wurzelseitig als Nahrung nahmen. Bei der kleinsten Störung, etwa stärkerem Wind oder Bewegung, verkrochen sich die Raupen auch bei Bewölkung – um die Nahrungsaufnahme an den Wurzeln von Moosen und Flechten fortzusetzen. Steinflechten werden genommen, aber nur, wenn diese Abends befeuchtet werden, wie es auch im Lebensraum passieren dürfte. Richtig heiße und trockene Bedingungen scheinen die Raupen problemlos zu überstehen, sie nehmen dann jedoch in der Zucht (meiner Erfahrung nach) keine Nahrung am Tage auf… für Raupennachweise dürfte ein bewölkter Tag Ende März oder Anfang April durchaus vielversprechend sein, am besten Morgens bis etwa 11 Uhr“. Die gefundenen Raupen wurden nur zur Bestimmung eingetragen, da am Fundort auch das Trockenrasen-Flechtenbärchen (Setina irrorella) vorkommt, die geschlüpften Falter wieder punktgenau im Habitat ausgesetzt. Daneben gelang auch der Nachweis einer 2. Generation (https://forum.lepiforum.org). Zur Hauptflugzeit werden regelmäíg 15-30 Exemplare gefunden.

Setina roscida war in Bayern vornehmlich im Oberpfälzer Jura (Mittlere Frankenalb sowie im östlichen Teil der Südlichen Frankenalb) sehr lokal verbreitet. Ein zweiter Verbreitungsschwerpunkt lag in den Mainfränkischen Erdseggenrasen, Nachweise dort auch aus den 1990er Jahren (Tannert 1994 und Weidemann & Köhler 1996). Wahrscheinlich aus den Plattenkalk-Steinbrüchen bei Wintershof stammen vier Meldung zwischen 1979 und 1985 (Thöny 1995). Zudem führt sie Wittstadt (1960) aus der Nördlichen Frankenalb für folgende Orte auf: Abhänge der Ruine Streitberg (Funde von 1922-1934), östlich von Veilbronn (1947) und einmal im Aufseßtal (1952). Bei Nachsuchen im Bereich der ehemaligen Fundorte bei Laaber, Undorf, Deuerling (Metschl & Sälzl 1932-35) auf der Kelheimer Brannt und Kallmünz (Schloßberg, Eicher Berg, Hirmesberg) gelang leider kein Nachweis. Erdseggenreiche, flechtenreiche und steile teilweise felsdurchsetzte Magerrasen existierten dort bis Ende der 2000er Jahren an der Pfarrerplatte und dem Eitelberg zwischen Deuerling und Undorf, am Martinsberg bei Laaber, am Eicher Berg und Hirmesberg bei Kallmünz. Heute dort nur noch kleinflächig zu finden, u.a. durch Eutrophierung oder Koppelhaltung der Flächen. Der in Segerer et al. 2013 genannte Fundort im Landkreis Kelheim konnte in letzter Zeit auch aktuell bestätigt werden.

Felshalden-Flechtenbärchen aktueller Fund, Landkreis Kelheim, 20. Mai 2024 (Foto: Oliver Böck)

Felshalden-Flechtenbärchen-Larve beim Fraß im Habitat, durch Zucht bestätigt, Landkreis Kelheim, 30. März 2018 (Foto: Steffen Schmidt), Falter wurden nach dem Schlupf wieder im Habitat ausgesetzt.

Felshalden-Flechtenbärchen Larvalhabitat, Landkreis Kelheim, 03. Juni 2017 (Foto: Oliver Böck)

Lebensraum Landkreis Kelheim, 13. Mai 2024 (Foto: Oliver Böck)

Art ist für ihre extremen Habitatansprüche bekannt. Sie mag es steil und sudöstlich bis sudwestlich exponiert. Die steinige, lückige und rohbodenreiche Felssteppenheide mit reichlich Erd- und Felsflechtenbewuchs muss dringend durch Beweidung in Hütehaltung offen gehalten werden. Zudem sollte über rohbodenöffnende Maßnahmen auf bromisierteren Flächen am Oberhang nachgedacht werden, die zur Vergrößerung der Habitatflächen führen. Derzeit dürfte die eigentliche Habitafläche nur zwischen einem und 1,5 Hektar betragen. Dort auch Funde von anderen bedeutenden xerothermen Insektenarten wie der Italienischen Schönschrecke (Calliptamus italicus) oder des Libellen-Schmetterlingshafts (Libelloides coccajus). Desweiteren konnte Steffen Schmidet mehrmals die Silberperlenwanze (Jalla dumosa, RL-Bayern 1) ebenda und an einem benachbarten Hang beobachten. Nachweise der Spinnenart Eresus sandaliatus, die daneben noch bei Kallmünz (Schloßberg, Eicher Berg, Hirmesberg) und am Eitelberg bei Undorf beobachtet wurde. Eine Koppelung der Flächen ist dringend zu vermeiden. Derzeit ist die Art im Gebiet stabil aber alleine die Isolation des Fundortes kann schnell zu einem Totalverlust führen.

Aktuell am 13.5.2024 vier Männchen und am 20.5.2024 drei Männchen und ein Weibchen. Die Population scheint kleiner geworden zu sein und die Art dürfte akut vor dem Aussterben stehen. Männchen waren sehr unruhig und flogen bei der kleinsten Störung auf.

In Mainfranken besitzt die Art aktuell ein Vorkommen das letztmalig 2012 bestätigt wurde (https://forum.lepiforum.org). Diese Meldungen konnten durch den Autor auf Grund der Punkte auf der Hinterflügeloberseite, welche der Schwesterart Setina irrorella in den Mittelgebirgen fehlen, genau bestimmt werden, zudem sind die frühe Flugzeit (Start in den ersten drei Maiwochen) und die geringere Größe weitere Indizien für Setina roscida. Eine eigene Nachsuche dort am 5.Mai 2017, bei bedecktem Himmel ergab ein Verdachtstier, welches aber leider nicht gekeschert werden konnte. Durch gezielte Beobachtungen sollte an allen ehemaligen Fundorten mit gut ausgeprägten flechtenreichen Erdseggenrasen wie am Giebel bei Eußenheim, am Ammerfeld bei Aschfeld, im NSG Grainberg-Kalbenstein und an der Ruine Homburg nach der Art dringend Ausschau gehalten werden. Hier muss die Beweidung der Flächen dringend erhalten werden, was sich auch positiv auf Arten wie Hipparchia semele oder Pyrgus carthami auswirkt.

Vorerst letzter Fundort (2012) in Mainfranken: lückiger Erdseggenmagerrasen bei Eußenheim, 5. Mai 2017 (Foto: Oliver Böck)

Insgesamt muss festgestellt werden, dass die Art weiterhin akut vom Aussterben bedroht ist und nur alleine durch naturschutzfachliche Pflegemaßnahmen erhalten werden kann. Dabei ist dringend zu beachten den äußerst lückigen Charakter der Felssteppenheide beizubehalten und die Größe des Larvalhabitats zu vergrößern, denn davon profitieren auch andere hochgradig gefährdete Arten. Ein Monitoring ist dringend angeraten, da die wenigen Funde 2024 einen großen Anlass zur Besorgnis bieten. Über ein Zuchtprogramm sollte ebenfalls nachgedacht werden, da Steffen Schmidt aus den vier eingetragenen Raupen auch vier Falter erhielt, so scheint eine Erhaltungszucht wie sie es zum Beispiel in Tschechien für mehrere Arten unter anderem für die Berghexe (Chazara briseis) gibt, eine gute Option für den Erhalt zu sein (https://www.jarojaromer.cz/wp-content/uploads). Dieses Zuchtprogramm führte zur Wiederetablierung der Art an mehreren Stellen (Sucháčková Bartoňová et al. 2021). Im Moment ist der Fundort im Landkreis Kelheim der aktuellste in ganz Deutschland. Nachweise aus dem Kyffhäuser in Thüringen sind schon fast 20 Jahre alt, aktuell wahrscheinlich nur noch an der Nahe (Rennwald et al. 2011, Schuhmacher 2012). In der Unterart Setina roscida kuhlweinii zuletzt 2013 in Brandenburg (https://www.schmetterlinge-brandenburg-berlin.de). Somit trägt Bayern fast alleine die Verantwortung für dieses besondere Kleinod unserer einheimischen Fauna. Die Ermittlung über noch bestehende Vorkommen auf Mainfrankens Erdseggenrasen sollte ebenfalls eine besondere Priorität geniessen, um Artenhilfsmaßnahmen dort zu starten. Meldungen an unser Portal sind dringend erwünscht. Zur sicheren Bestimmung sollte auf Fotos der Hinterflügelunterseite geachtet werden. Die Verbreitung der Art ist ebenfalls dort zu finden, solange die Literaturangaben mit Datum oder genauerer Fundortangabe versehen waren.

Besonderer Dank an Dr. Steffen Schmidt für das Larvalfoto, zu den ökologischen Beobachtungen im Habitat und bei der Zucht.

Literaturangaben Online:

Rennwald, E. & Rodeland, J. (2024): Beiträge zu Setina roscida im Forum Bestimmung und Forum Diskussion. https://forum.lepiforum.org/post/624867, https://forum.lepiforum.org/post/583083, https://forum.lepiforum.org/post/948785,

https://www.schmetterlinge-brandenburg-berlin.de/index.php/arten-verbreitung

https://www.jarojaromer.cz/wp-content/uploads/Butterfly-conservation-in-practice.pdf

Literatur:

Metschl, C. & Sälzl, M. (1932-35): Die Schmetterlinge der Regensburger Umgebung. Dt. Ent. Z. Iris 46 (1932): 144-152; 47 (1933) 41-59, 167-187; 48 (1934) 78-104, 161-183; 49 (1935) 58-64. Dresden.

Rennwald, E.; Sobczyk, T. & Hofmann, A. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Spinnerartigen Falter (Lepidoptera: Bombyces, Sphinges s.l.) Deutschlands. – In: Binot-Hafke, M.; Balzer, S.; Becker, N.; Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G.; Matzke-Hajek, G. & Strauch, M. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 243-283

Segerer, A.H; Lichtmannecker, P.; Haslberger, A.; Grünewald, T. (2013): Bemerkenswerte Schmetterlingsfunde aus Bayern im Rahmen laufender Projekte zur genetischen Re-Identifikation heimischer Tierarten (BFB, GBOL) – 3. Beitrag (Insecta: Lepidoptera) – Nachrichtenblatt der Bayerischen Entomologen – 062: 2 – 9.

Schumacher H. (2012): Biotoppflegemaßnahmen in der Gemeinde Schloßböckelheim – Melanargia – Nachrichten der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. – 24: 45 – 47.

Sucháčková Bartoňová, A.; Konvička, M.; Marešová, J.; Bláhová, D.; Číp, D.; Skala, P.; Andres, M.; Hula, V.; Dolek, M.; Geyer, A.; Böck, O.; Kadlec, T.; Faltýnek Fric, Z. (2021): Extremely Endangered Butterflies of Scattered Central European Dry Grasslands Under Current Habitat Alteration. Insect Systematics and Diversity. Volume 5, Number 5 – 1-18.

Tannert, R. (1994): Erhebungen zur Schmetterlingsfauna 1988 bis 1990 (Lepidoptera) Kalkhochplateau und exponierte Trockenrasenhänge westlich Aschfeld/Unterfranken – Galathea, Berichte des Kreises Nürnberger Entomologen e.V. – 10: 107 – 120.

Thöny, H. (1995): Beitrag zur Schmetterlingsfauna der Region Ingolstadt/Eichstätt Dokumentation der Großschmetterlinge von Ingolstadt und seiner Umgebung – facetta – Berichte der Entomologischen Gesellschaft Ingolstadt e.V. – Supp1: 1 – 255.

Weidemann, H.J. & J. Köhler (1996);: Nachtfalter. Spinner & Schwärmer. Augsburg
(Naturbuch-Verlag).

Wittstadt, H. (1960): Die Großschmetterlinge des Regnitzgebietes – Bericht der naturforschenden Gesellschaft Bamberg – 37: 62 – 154.

Gefährdungslage des Weißen Waldportiers (Brintesia circe) in Bayern

Weißer Waldportier Kopula, Landkreis Kelheim, 26. Juni 2014 (Foto: Markus Dumke)

Weißer Waldportier Raupe, Landkreis Kelheim, 21. Mai 2022 (Foto: Markus Dumke)

Der Weiße Waldportier (Brintesia circe) war in Bayern bis Anfang der 2010er Jahre auf die Kerngebiete der Südlichen (Gailachtal, Wellheimer Trockental, Usseltal, Unteres Altmühltal) und Mittleren Frankenalb (Truppenübungsplatz Hohenfels, Täler von Lauterach, Naab, Schwarzer Laaber und im Regensburger Jura) beschränkt, wo eine deutliche Zunahme der Individuendichten auf großflächigen Magerrasen zu verzeichnen ist. Da die Tiere sehr flugaktiv sind, können sie von dort aus auch benachbarte Flächen besiedeln. Vor allem in den letzten 10 Jahren breitet sich die Art aus. Entlang der Lauterach konnte inzwischen die Nördliche Frankenalb bis Pommelsbrunn erreicht werden. Weitere Ausbreitungen sind entlang der Naab bis ins Oberpfälzer Hügelland zu beobachten. An der Donau Einzelfunde von Vohburg bis Donaustauf, nördlich davon mehrere Nachweise im Falkensteiner Vorwald und entlang des Regen. Dort Einzelfunde bis in den Vorderen Oberpfälzer Wald. Neuerdings auch Sichtungen aus dem Hinteren Oberpfälzer und Bayerischen Wald. Weitere Beobachtungen im Passauer Abteiland und im Neuburger Wald. In der Südlichen Frankenalb inzwischen auch entlang der Wissinger und Weißen Laaber. Auf kleineren Magerrasen entlang der Donau östlich von Donauwörth. An der Altmühl fast geschlossenes Fluggebiet zwischen Treuchtlingen und Kelheim. Die Art scheint eine der wenigen zu sein, die vom Klimawandel und der aktuellen Pflege der Flächen profitieren und von der Vergrasung einiger Flächen nicht.betroffen zu sein scheint. Vereinzelt auf mesophilen Grünland wie zum Bespiel im Falkensteiner Vorwald auch in höheren Individuendichten beobachtet. Andererseits wie im Vorderen Oberpfälzer Wald ein Exemplar auf einem Granitxerothermrasen. Neufunde dürften bestimmt im Raum Chamer-Further-Senke im Regental zu tätigen sein. Alle Meldungen bitte gerne ins Portal stellen. Die weitere Ausbreitung der Art und die Reproduktion in den neu besiedelten Gebieten sollte weiter beobachtet werden.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Brintesia%20circe

Weißer Waldportier Larvalhabitat, Landkreis Kelheim, 21. Mai 2022 (Foto Markus Dumke)

Gefährdungslage des Segelfalters (Iphiclides podalirius) in Bayern

Segelfalter, Landkreis Regensburg, 28. April 2022 (Foto: Thomas Netter)

Segelfalter Raupe, Landkreis Eichstätt, 3. Juli 2022 (Foto: Thomas Netter)

Der Segelfalter (Iphiclides podalirius) kommt in Mainfranken z. T. in hohen Individuendichten auf Kalkmagerrasen entlang des Mains und der Fränkischen Saale von Kleinochsenfurt inzwischen bis Münnerstadt regelmäßig vor und strahlt neuerdings auch in den Sandsteinspessart und das Grabfeld aus. In der Mittleren Frankenalb z. T. gute Individuendichten auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels und entlang der Lauterach und Naab z. B. bei Kallmünz. Aktuell (2024) bedeutende Funde im Raum Hammelburg und bei Kallmünz. An der Schwarzen Laaber zwischen Schönhofen und Laaber durch Pflegemaßnahmen in den letzten Jahren leider nicht mehr gefunden. Gleiches gilt für die Südliche Frankenalb entlang der Unteren Altmühl zwischen Riedenburg und Kelheim. In den großflächigen Magerrasen und Steinbruchgebieten zwischen Eichstätt und Solnhofen noch regelmäßig und teilweise in guten Individuendichten. Ein Einzelnachweis von 2019 bei Chamerau am Regen dürfte auf Verdriftung oder Verschleppung zurückzuführen sein. In Südbayern liegen Nachweise aus den Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen vor. Dort in den letzten Jahren immer wieder Funde wie am Thumsee oder im Raum Bad Reichenhall. Die Hauptvorkommen dürften im Saalachtal auf österreichischer Seite liegen (z. B. Leoganger Steinberge) und von dort nach Bayern ausstrahlen. Eine Reproduktion der Art auf bayerischer Seite ist möglich. Eine Nachsuche in diesem Gebiet wäre ab jetzt von Interesse, Meldungen bitte gerne ins Portal. Durch den Klimawandel wird sie in ihren Kerngebieten häufiger und zeigt wie in Mainfranken deutliche Ausbreitungstendenzen. Sie ist aber weiterhin durch unsachgemäße Pflegemaßnahmen gefährdet.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Iphiclides%20podalirius

Segelfalter Larvalhabitat,Landkreis Bad Kissingen, 9. Juni 2023 (Foto: Maximilian Schmucker)

Gefährdungslage des Steppenheiden-Würfel-Dickkopfs (Pyrgus carthami) in Bayern

Steppenheide-Würfel-Dickkopf, Landkreis Main-Spessart, 1. Juni 2022 (Foto: Korbinian Schrauth)

Der Steppenheide-Würfel-Dickkopf (Pyrgus carthami) ist in Bayern zuletzt noch in zwei Naturräumen nachgewiesen worden. Vermutlich ist er aber inzwischen auf der Mittleren Frankenalb erloschen. Als Gründe werden eine zu geringe Beweidungsintensität und eine Beweidung zur Hauptflugzeit vermutet. Gezielte Nachsuche blieb erfolglos. Die letzten Nachweise wurden 2010 am Eitelberg bei Undorf und 2015 am Schloßberg bei Kallmünz erbracht. In Mainfranken besteht noch eine Metapopulation in den steingen und rodbodenreichen Erdseggenmagerrasen um Karlstadt, Gambach über den Truppenübungsplatz bis ins Fränkische Saaletal bei Hammelburg. Vereinzelt noch bei Marktheidenfeld in einem Steinbruch. Außerdem im Grabfeld bei Unsleben und Mittelstreu sowie bei Ostheim/Rhön am Weyhershauk. Die Art ist als vom Aussterben bedroht einzustufen und die derzeitige Habitatpflege dringend zu erhalten und zu verbessern. Bedroht durch Aufgabe intensiver Beweidung in Hütehaltung (Sukzession), Bromisierung durch Stickstoffeintrag und Koppelbeweidung.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Pyrgus%20carthami

Steppenheide-Würfel-Dickkopf Lebensraum, Landkreis Main-Spessart, 7. Juni 2022 (Foto: Alexander Ohr)

Gefährdungslage des Alexis-Bläulings (Glaucopsyche alexis) in Bayern

Alexis-Bläuling Kopula, Landkreis Amberg-Sulzbach, 19. Juni 2021 (Foto: Bernhard Stoeckhert)

Alexis-Bläuling Raupe, Landkreis Würzburg, 21. Juni 2022 (Foto: Korbinian Schrauth)

Der Alexis-Bläuling (Glaucopsyche alexis) ist in Bayern vor allem in Mainfranken entlang von Main und Fränkischer Saale bis ins Grabfeld und in die Vorder- und Kuppenrhön auf Kalkmagerrasen verbreitet. Davon isolierte Vorkommen entlang des Mains z. B. im Vogelschutzgebiet Garstädter Seen und im Sandsteinspessart. Noch stabil entlang breiter Waldwege und auf Pfeifengraswiesen in den Mittelwäldern des Südlichen Steigerwaldes. Dort auch auf Gipskeuper-Magerrasen. In der Mittleren Frankenalb v. a. am Standortübungsplatz Hohenfels und den benachbarten hochwertigen und strukturreichen Magerrasen entlang der Naab und Lauterach. In vielen Bereichen ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Vereinzelt an der Schwarzen Laaber und am Keilstein bei Regensburg. Auf der Südlichen Frankenalb nur noch halbwegs stabil bei Kelheimwinzer. Bei Matting und im Riedenburger Schambachtal vom Aussterben bedroht. Ursachen für den Rückgang vor allem in der Frankenalb sind u. a. die meist gleichförmige Beweidung der Flächen (Verschwinden von Saumstandorten), die Bromisierung durch Stickstoffeintrag (Vergrasung der Flächen), ungünstige Beweidungszeitpunkte sowie Koppelbeweidung und Verbuschung durch Aufgabe der Bewirtschaftung.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Glaucopsyche%20alexis

Alexis-Bläuling Larvalhabitat, Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, 3. Juni 2022 (Foto: Alexander Ohr)

Gefährdungslage des Flockenblumen-Scheckenfalters (Melitaea phoebe) in Bayern

Flockenblumen-Scheckenfalter Kopula, Landkreis Rosenheim, 27. Juni 2022 (Foto: Markus Dumke)

Flockenblumen-Scheckenfalter Jungraupen mit Gespinst, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, 3. August 2023 (Foto: Thomas Netter)

Bundesweit auf Bayern beschränkt ist der Flockenblumen-Scheckenfalter (Melitaea phoebe). In Mainfranken Vorkommen entlang des Mains und der Fränkischen Saale von Karlstadt bis Münnerstadt. In Nordbayern vor allem auf der Nördlichen Frankenalb u. a. auf beweideten und gemähten Kalkmagerrasen im Staffelbergjura. Östlich davon in Muschelkalkgebieten bei Kronach und Bayreuth. In den Haßbergen seit 2010 nicht mehr nachgewiesen. In der Mittleren Frankenalb vor allem auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels sowie in den Flusstälern von Schwarzer und Wissinger Laaber, Naab und Lauterach auf hochwertigen und strukturreichen Magerrasen. Dort sind Rückgänge zu verzeichnen. In der Südlichen Frankenalb nur noch im Riedenburger Schambachtal verbreitet, dort ebenfalls rückläufig. Im Südlichen Steigerwald akut vom Aussterben bedroht. In Südbayern inzwischen auf die Alpen beschränkt. Gute Vorkommen in der Nagelfluhkette, Teilen des Vilser Gebirges und der Allgäuer Hochalpen. Ansonsten kommt die Art nur noch in den westlichen Chiemgauer und in den Berchtesgadener Alpen in geringer Dichte vor. In den Alpen auf Rinderweiden. Bedroht ist die Art durch nachlassende (Sukzession), zu intensive Pflege der Kalkmagerrasen ( vor allem Koppelbeweidung) und die Bromisierung durch Stickstoffeinträge. In den Alpen durch Gülleausbringung und Aufgabe von Almen.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Melitaea_phoebe

Flockenblumen-Scheckenfalter Larvalhabitat, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, 3. August 2023 (Foto: Thomas Netter)

Gefährdungslage des Roten Scheckenfalters (Melitaea didyma) in Bayern

Roter Scheckenfalter Kopula, Landkreis Eichstätt, 4. Juli 2022 (Foto: Norbert Dippold)

Melitaea didyma Raupe, Landkreis Kelheim, 15. Juni 2021 (Foto: Thomas Netter)

Der Rote Scheckenfalter (Melitaea didyma) kommt hauptsächlich in Bayern von Mainfranken bis zur Rhön vor, z.T. noch individuenreich, z.B. bei Ostheim v.d. Rhön oder um Karlstadt. Im Südlichen Steigerwald und im Grabfeld bei Herbstadt steht sie kurz vor dem Aussterben. In der Nördlichen Frankenalb auf den Weismainjura und den Truppenübungsplatz Grafenwöhr beschränkt. In der Mittleren Frankenalb stabil auf den Truppenübungsplatz Hohenfels. Ansonsten fast nur noch auf den Kalkmagerrasen in den Flusstälern der Lauterach und der Naab nachzuweisen. Rückgänge im Tal der Schwarzen Laaber. In der Südlichen Frankenalb nur noch stabil in den Magerrasen und Steinbrüchen des Gailachtals und an der Arnsberger Leite im Altmühltal. Im Riedenburger Schambachtal stark zurückgegangen. Die Art besiedelt lückige, großflächige und strukturreiche Magerrasen. Sie ist weiterhin stark rückläufig. Die Ursachen liegen entweder in der nachlassenden Pflege (Sukzession) oder in der Änderung der Beweidung der Flächen (braucht mindestens zweimalige scharfe Beweidung im engen Gehüt), Koppelbeweidung und die Bromisierung durch Stickstoffeintrag. Ein möglichst früher Beweidungszeitpunkt zur Entgegenwirkung der Vergrasung wäre, wie bei vielen Arten die auf lückige Kalkmagerrasen spezialisiert sind, eine mögliche Maßnahme zur Erhaltung. Die Schaffung von offenen Rohbodenstellen oder bei starker Vergrasung ein abbrennen der Vegetation wären weitere Maßnahmen in Habitaten der Art.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Melitaea_didyma

Melitaea didyma Larvalhabitat, Landkreis Kelheim, 15. Juni 2021 (Foto: Thomas Netter)