Schlagwortarchiv: Verbreitung Euphydryas maturna Chiemgauer Alpen

Neuigkeiten zum Eschen-Scheckenfalter (Euphydryas maturna) in den Chiemgauer Alpen 2026.

Nachdem durch Annette Schulten und den Autoren die Ergebnisse der Untersuchungen im Jahr 2025 in Schulten, A. & O. Böck (2025) näher vorgestellt wurden, waren der Autor und vor allem Annette Schulten wieder in der Region unterwegs, um sowohl Imagines, als auch Raupengespinste zu finden. Diese Ergebnisse sollen hier kurz vorgestellt werden.

Der Autor war insgesamt zweimal zur Flugzeit im Haupthabitat im Tal der Roten Traun/Teisenberggebiet unterwegs. Dieses besteht aus einem Mosaik von verschiedenen eschenreichen lichten Wäldern die von verschiedenen Waldwegen mit feuchten Quellhorizonten und Bächen, durchzogen werden. Breite Waldbankette mit u.a. Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis) als wichtigster Falternahrungspflanze gehören ebenfalls als Habitatrequisit dazu. Dort begann die Flugzeit auch schon sehr früh, nachdem Annette Schulten die ersten Nachweise im Bad Reichenhaller Raum am 23.5. hatte, fand sie bereits am 28.5. das erste Männchen. Dem Autoren und Markus Dumke gelangen auf dem Truppenübungsplatz Kirchholz am 30.5. und am 31.5. 2026 mit einem und zwei Individuen nur geringe Nachweisdichten, eine Betretungsgenehmigung lag vor. Am 30.5. konnte der Autor mit Benjamin Morawitz insgesamt schon fünf frische Individuen im Haupthabitat beobachten, es waren alles Männchen. Bei einem gemeinsamen Treffen mit Annette Schulten und Markus Dumke wurden insgesamt elf Individuen am 4.6. 2026 gezählt. Hinzu kam noch ein Eigelege und eine Puppe. (Abbildungen 1-5). Das die Art dort bedeutend häufiger ist, konnte Annette Schulten am 19.6. 2026 bestätigen, als sie im Haupthabitat insgesamt 68 Falter nachweisen konnte. Die Flugzeit dauerte noch bis zum 5.7. an und belief sich somit auf 39 Tage, während Untersuchungen in Österreich nur eine Flugdauer von 18 Tagen in den Jahren 2014-2019 schildern (Straka 2020).

Abbildung 1: Frisch geschlüpftes Männchen von Euphydryas maturna auf Urtica dioica ruhend. Tal der Roten Traun/Teisenberggebiet, Chiemgauer Alpen, 4.6.2026. (Foto: Oliver Böck)

Abbildung 2: Weibchen von Euphydryas maturna an Valeriana officinalis saugend. Tal der Roten Traun/Teisenberggebiet, Chiemgauer Alpen, 4.6.2026. (Foto: Oliver Böck)

Abbildung 3: Puppe von Euphydryas maturna. Tal der Roten Traun/Teisenberggebiet, Chiemgauer Alpen, 4.6.2026. (Foto: Oliver Böck)

Abbildung 4: Teilausschnitt des Haupthabitats von Euphydryas maturna. Tal der Roten Traun/Teisenberggebiet, Chiemgauer Alpen, 4.6.2026. (Foto: Oliver Böck)

Abbildung 5: Stelle im Haupthabitat mit Fraxinus excelsior auf der ein Weibchen zum Aufnahmezeitpunkt ablegte. Tal der Roten Traun/Teisenberggebiet, Chiemgauer Alpen, 4.6.2026. (Foto: Oliver Böck)

Im letzten Jahr konnte Annette Schulten im Untersuchungsgebiet insgesamt 130 Gespinste an 20 Geländetagen zwischen dem 22.7. und 13.9.2025, (Verbreitung siehe Abbildung 6) nachweisen, welche sich vornehmlich auf das Tal der Roten Traun, das Tal der Stoißer Ache und das Teisenberggebiet konzentrierten. Daneben fand sie noch zwei Gespinste im Zinnkopfgebiet. Die Anzahl der aktuell besetzten TK-Quadranten in den Messtischblättern stieg von fünf auf acht durch die Beobachtungen 2025 (Schulten & Böck 2025).

Abbildung 6: Verbreitung von Euphydryas maturna in Südostbayern. Stand 2025. (schwarze Kreise). https://www.tagfalterbayern.de/ zuletzt abgerufen 10.9.2026.

Abbildung 7: Aktuelle Verbreitung von Euphydryas maturna in Südostbayern. Stand 2026 (schwarze Kreise). https://www.tagfalterbayern.de/ zuletzt abgerufen 10.9.2026.

2026 meldete Annette Schulten dem Portal Tagfalter in Bayern rund 520 Gespinste und/oder Eigelege zwischen dem 25.6. und 28.8. Das ist der vierfache Wert im Vergleich zu 2025. Davon konnten im Tal der Roten Traun und dem Teisenberggebiet insgesamt 418 Gespinste gefunden werden. An der Stoißer Ache waren es 13 Gespinste, was ungefähr den Wert aus dem letzten Jahr mit 15 Gespinsten bestätigt, Eine deutliche Zunahme der Gespinstzahlen wurde auch am Zinnkopmassiv mit nun 16 anstatt zwei Gespinsten beobachtet. Nachweise erfolgten dort nördlich bis auf die Höhe von Wolfsberg, Dies liegt wohl an der Abwanderumg vieler Weibchen aus dem Haupthabitat bedingt durch die hohen Individuendichten. Es müssen wohl auch weitere Dispersionsflüge stattgefunden haben. Neue Gespinstnachweise gab es im Bereich Weißbach/Jochberg mit acht Gespinsten. Die westlichsten Funde stammen vom den Auwäldern im Tal der Weißen Traun (Abbildungen 8 bis 10) und dem Rauschberggebiet mit neun Gespinsten. Die Gespinste waren anders als 2025 im Untersuchungsgebiet und bei den Untersuchungen von (Habel et al., 2025) nicht mehr fast gänzlich südwest- bis südostexponiert. Es wurden vornehmlich beschattetere Eschen belegt, dies kann als Reaktion der Weibchen auf den Hitzesommer und die damit geringere Feuchtigkeit gewertet werden.

Die Funde bei Wolfsberg, sowie an der Weißen Traun befinden sich in rund 10 Kilometern Entfernung zur Hauptpopulation. Dabei war einer der beiden Funde in der Nähe von Wolfsberg rund 3,9 Kilometer zum letztjährig nähestem Gespinstfund entfernt. Die Entfernung von den Gespinstfunden in den Auwäldern der Weißen Traun betrug zu den letztjährigen Nachweisen im Zinnkopfgebiet rund 5,5 Kilometer. Insgesamt stieg die Anzahl der belegten TK-Quadranten in den Messtischblättern von acht auf 13 an, da auch ein alter Nachweis am Högl durch Henrik Klar-Weiss bestätigt werden konnte (Abbildung 7). Zusammen wurden durch Annette Schulten und ihn im Höglgebiet 28 Gespinste gefunden. Zudem gab es noch einen Nachweis aus dem Tal der Berchtesgadener Ache um 2010 (Schönfelder, C. 2025, Habel et al., 2025). Dieser Einzelfund dürfte mit der Population am Untersberg zusammenhängen.

Das Habitat an der Weißen Traun vermittelt noch den Zustand eines typischen früheren Habitats in einem feuchten eschenreichen Auwald (Bolz et al., 2013), wie er sonst kaum mehr in Bayern besiedelt wird. In der Marzoller Au an der Saalach bei Bad Reichenhall werden ebenfalls vereinzelte Gespinste nachgewiesen. Diese beiden Auwaldgebiete sind kleine Relikte dessen, was in der Vergangenheit an Flußauen in den Chiemgauer Alpen bestand. Die Art war in Südbayern vormals in den Flußauen der Saalach, der Tiroler Achen, der Weißen und Roten Traun weiter verbreitet, bevor teilweise Flußregulierungen und Bebauung zur Degradierung der Flußauen führten. Anderswo starb sie in Südbayern schon früher aus, die letzten beiden Nachweise fanden sich 1984 in einem Quellmoorgebiet umgeben von eschenreickhem lichtem Wald bei Aichach dem sogenannten Silbernbrünnl und in den Donauauen bei Regensburg von 1985. Dieser Fund stammt aus dem Johannisholz südwestlich von Pfatter einem über Jahrzehnte gut dokumentiertem Fundort.

Abbildung 8: Habitat von Euphydryas maturna im Auwald an der Weißen Traun, westlichste Fundstelle der aktuellen Verbreitung, 11.8.2026. (Foto: Annette Schulten)

Abbildung 9: Weiterer Habitataspekt im Auwald an der Weißen Traun, westlichste Fundstelle der aktuellen Verbreitung, 11.8.2026. (Foto: Annette Schulten)

Abbildung 10: Gespinst von Euphydryas maturna im Auwald an der Weißen Traun, westlichste Fundstelle der aktuellen Verbreitung, 11.8.2026. (Foto: Annette Schulten)

Die Masterarbeit von Cihristoph Schönfelder zur Genetik ist mittlerweile seit Ende letzten Jahres fertig., Ein Artikel dazu soll bald veröffentlicht werden. Für 2026 begann ein Artenhilfsprogramm für die Art im Landkreis Traunstein, das vorallem auf die Stützung der Kernpopulation abzielen soll. 2026 lief eine Kartierung zu Euphydryas maturna durch ein Planungsbüro im Landkreis Berchtesgaden, die Ergebnisse sind derzeit noch nicht herausgegeben. Falls eine weitere Verbreitung im Landkreis geben sollte, wird dieser Blog dahingehend aktualisiert.

Genauere Forschungen zu Euphydryas maturna wurden in der Region im Bundesland Salzburg mittels Drohnenbefliegung zur Habitatanalyse in den letzten Jahren an der Universität Salzburg durchgeführt. Diese beinhalteten zwei unterschiedliche Probeflächen. Zum einen den an die bayerische Grenze angrenzenden Bereich des Untersberges und zum anderen die Wälder entlang des Flußes Taugl bei Hintersee (Habel et al., 2022). Am Untersberg (Habel et al., 2025) wurde ein deutlicher Rückgang der geeigneten Eschenbestände durch das Eschentriebsterben festgestellt, denn die Weibchen meiden erkrankte Fraxinus excelsior.

Ein besonderer Dank gilt Annette Schulten, welche auch 2026 einen großen Teil ihrer Freizeit unterwegs war, um mit großer und bewundernswerter Akkribie das aktuelle Verbreitungsbild der Art in den Chiemgauer Alpen aufzuzeichnen.

Literatur

Bolz, R., Dolek, M. & P. Gros (2013): Maivogel (Euphydryas maturna). – In: Bräu, M. et al. (2013): Tagfalter in Bayern, Ulmer Verlag: S. 393-397.

Habel, J.C., Teucher, M., Gros, P., et al., 2022. The importance of dynamic open-canopy woodlands for the conservation of a specialist butterfly species. Landsc. Ecol. 37, 2121–2129. https://doi.org/10.1007/s10980-022-01472-2.

Habel J.C., Eberle, J., Gros. P., Strassl, F., Alb, P., Thürkow, D. & M. Teucher (2025): Bridging spatial scales: UAV Laser-scanning to identify high quality habitats for a highly endangered forest butterfly. Biological Conservation 311: 111450.  https://doi.org/10.1016/j.biocon.2025.111450

Schöndorfer, C. (2025): : POPULATION GENOMICS OF THE SCARCE FRITILLARY (EUPHYDRYAS MATURNA) WITH A FOCUS ON POPULATION CONNECTIVITY, Master Thesis at the Faculty of Natural and Life Sciences of the Paris-Lodron-University of Salzburg. 34 S.

Schulten, A. & O. Böck (2025): Neufunde des Maivogels (Euphydryas maturna (Linnaeus, 1758)) in den Bayerischen Alpen und Gefährdungsursachen in Bayern (Insecta: Lepidoptera: Nymphalidae). Beiträge zur bayerischen Entomofaunistik 25: 47–54.

Straka, U. (2020): Ökologie des Eschen-Scheckenfalters (Euphydryas maturna) anhand einer Population in den Östlichen Kalkalpen in den Jahren 2014–2019. Beiträge zur Entomofaunistik 21: 33-67

Internet:

https://www.tagfalterbayern.de/beobachtungen?art=Euphydryas%20maturna zuletzt abgerufen 9.9.2026.