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Neuigkeiten zum Großen Esparsetten-Bläuling (Polyommatus damon) in den Allgäuer Hochalpen

Nach der Neuentdeckung von Polyommatus damon in den letzten Jahren in den Allgäuer Hochalpen (Vergleiche dazu Böck et al., 2025) und (https://blog.schmetterlingebayern.de/2025/09/06/der-grosse-esparsetten-blaeuling-oder-streifenblaeuling-polyommatus-damon-im-allgaeu-noerdlichster-fundort-in-den-alpen/) fanden 2026 weitere Nachsuchen zu Polyommatus damon und der vermutlichen Raupenfutterpflanze Berg-Esparsette (Onobrychis montana) in den Allgäuer Hochalpen statt. Insgesamt suchte der Autor an drei verschiedenen Erhebungstagen nach beiden Arten im Traufbachtal.

Bei einem ersten Besuch zusammen mit Benjamin Morawitz dem neuen Vorstand der MEG, ergo Münchener Entomologische Gesellschaft am 23.6.2026 sollten nur die Larvalhabitate im Traufbachtal ermittelt werden. Habitate sind dort steile Geröllhalden, Hangrutschungen und die von Urrasen umgebenen süd- über meist südostexponierten bis ostexponierte Felsrippen, welche die Wuchsorte der vermutlichen Raupenfutterpflanze Berg-Esparsette Onobrychis montana darstellen. Sie konnte nur an einer anderen Stelle am Rande des Flußbettest des Traufbachs beobachtet werden (Abbildungen 1-5). Leider wurden auf Grund der Steilheit des Geländes nur wenige der Esparsetten nach Raupen abgesucht, es wurde keine gefunden. Auf dem Rückweg war eine gut besetzte Saugstelle mit unter anderem Polyommatus eros. Diese wurde auch wenn nur kurz von einem Männchen von Polyommatus damon aufgesucht (Abbildung 6). In Böck et al. 2025 wurde vermutet das die Flugzeit später als bei den Mittelgebirgspopulationen der Bayerischen Rhön beginnt, diese Aussage kann nun eindeutig revidiert werden, da die Flugzeit dort auch erst kurz davor angefangen hatte. Robert Hock konnte am Dünsberg bei Oberelsback am 22.6. ein frisches Männchen nachweisen (https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1540253).

Abbildung 1: Onobrychis montana angrenzend zum Flußbett. Allgäuer Hochalpen, Traufbachtal, 23.Juni.2026. (Foto: Oliver Böck).

Abbildung 2: Östlicher Teilausschnitt des Habitat von Polyommatus damon und Onobrychis montana einem Mosaik aus steilen Gerölhalden, Hangrutschungen und fels- und schottereichen Urrasen. Allgäuer Hochalpen, Traufbachtal, 13.Juli.2026. (Foto: Oliver Böck).

Abbildung 3: Habitat von Polyommatus damon, Fundort eines Weibchens am 9. August 2026. Gut sind die Bestände von Onobrychis montana zu erkennen. Allgäuer Hochalpen, Traufbachtal, 23.Juni.2026. (Foto: Oliver Böck).

Abbildung 4: Westlicher Teil des Habitats Geröllhalde: Das Foto vermittelt die Steilheit des Geländes ganz gut. Vorsicht und Trittsicherheit sind geboten. Allgäuer Hochalpen, Traufbachtal, 23.Juni.2026. (Foto: Oliver Böck).

Abbildung 5: Gesamtüberblick über das Habitat im Traufbachtal, im Gesamtbereich 7 Männchen. Allgäuer Hochalpen, Traufbachtal, 23.Juni.2026. (Foto: Oliver Böck).

Bei einer zweiten Exkursion am 13.7.2026 begegneten dem Autoren bei der Hinteren Traufbergalpe die beiden ersten Männchen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Baches an einer Furt des Traufbachs flogen zwei Männchen zusammen mit anderen Arten wie A. artaxerxes und A. orbitulus. Ein weiteres war am Übergang zur Wiese zu beobachten, auf der im letzten Jahr die vier Männchen gefunden wurden, dort weideten gerade Rinder. Weiter Traufbach aufwärts unterhalb der Stelle mit den Onobrychis montana-Nachweisen vom 23.6.2026  fand der Autor insgesamt sieben Männchen. Davon konnten einmal fünf gleichzeitig beobachtet werden. Bis zu drei Exemplaren saugten gemeinsam mit Lysandra coridon, Aricia artaxerxes, C. minimus und Agriades orbitulus an einer feuchten Bachstelle (Abbildungen 7-9). Weiter Traufbach aufwärts fanden sich nochmals zwei Männchen. Insgesamt konnten somit 12 Exemplare der Art nachgewiesen werden. Es wurde dabei keine Saugbeobachtung an Blüten festgestellt, nur die Mineralienaufnahme. Zusätzlich saugten die Männchen auch am Schweiß des Autors und seiner Tragetasche (Abbildung 10).

Bei der letzten Begehung am 9.8.2026 konnte ein Weibchen knapp oberhalb der Fundstellen von Onobrychis montana an der sehr steilen Geröllhalde unterhalb des Hohenegg einem Grasberg der Rauheckgruppe beobachtet werden. Es saugte an Flockenblumen (Centaurea spec.), eine Eiablage wurde auf Grund des nur sehr kurzen Sichtkontakts nicht bestätigt. Somit betrug die Flugzeit im Traufbachtal alleine insgesamt 48 Tage.

Weitere Exkursionen führten Felix Steinmeier und Johannes Honold zum Linkerskopf und Herbert Stadelmann zur Höfatswanne durch, diese waren aber leider erfolglos, genauso wie eine Nachsuche im Bacherlochtal durch den Autor am 24.7.2026. Eventuell war aber dort die Flugzeit zu Ende oder es lag daran, dass überall nur ein sehr kleiner Teil der Fläche begangen werden konnte.

Abbildung 6: Männchen von Polyommatus damon zusammen mit Aricia artaxerxes und Cupido minimus saugend. Allgäuer Hochalpen, Traufbachtal, 23.Juni.2026. (Foto: Benjamin Morawitz).

Abbildung 7: Oberseite eines Männchens von Polyommatus damon, Allgäuer Hochalpen, Traufbachtal, 13.Juli.2026. (Foto: Oliver Böck).

Abbildung 8: Drei Männchen von Polyommatus damon zusammen mit einem Männchen von Aricia artaxerxes und Lysandra coridon an Mineralien saugend. Allgäuer Hochalpen, Traufbachtal, 13.Juli.2026. (Foto: Oliver Böck).

Abbildung 9: Männchen von Polyommatus damon an Mineralien saugend. Allgäuer Hochalpen, Traufbachtal, 13.Juli.2026. (Foto: Oliver Böck).

Abbildung 10: Männchen von Polyommatus damon saugt am Finger des Autoren. Allgäuer Hochalpen, Traufbachtal, 13.Juli.2026. (Foto: Oliver Böck).

Im nächsten Jahr wird vom Autoren noch einmal verstärkt im Bacherlochtal nach der Art gesucht werden. Das Monitoring im Traufbachtal wird ebenfalls weiterlaufen. Genetische Analysen im Vergleich zu den bayerischen Populationen in der Frankenalb in der Rhön und denen im östereichischen Inntat stehen noch aus..

Im Rahmen einer Masterarbeit oder einer größeren Bachelorarbeit mit zwei Personen sollten folgende Forschungsfragen bezüglich Onobrychis montana und Polyommatus damon geklärt werden:

Wie ist die aktuelle Verbreitung beider Arten im Untersuchungsgebiet? Welche Gefährdung besteht für die Populationen? Welche Habitate werden besiedelt? Unterscheiden sich die Populationen von Polyommatus damon genetisch von Individuen aus dem Tiroler Inntal und den anderen bayerischen Populationen. Falls Gefährdungen in den Zielgebieten bestehen, sollten für diese Pflegemaßnahmen erarbeitet werden.

Als Hauptgebiete für eine Kartierung beider Arten sind die Höfats mit Höfatswanne, Rotem Loch und dem Seilhenker (steile gefährliche Bergtour. absolute Trittsicherheit), das Bacherlochtal (leichte Tour Flussbett und Wege mit Saugstellen) mit dem Linkerskopf über Eselweg (mittelschwere Bergtour), das Trettachtal mit dem Spätengundkopf (Weg schwer, Trittsicherheit im Bachbett, bei Hochwasser nicht möglich?), der Aggenstein (mit Seilbahn zu erreichen, im Felsmassiv aber Trittsicherheit), das Sperrbachtal (Wanderung entlang des Sperrbachs, leichte bis mittlere Tour bis zu den Felsen unterhalb des Muttlerkopfes/Höhe Kempter Hütte) und der Kitzberg mit der Rauhenhalsalpe (steile gefährliche Bergtour. absolute Trittsicherheit) vorgesehen.

Für Onobrychis montana und Onobrycis viciifolia sollten Nachweise am Felllhorn, Nebelhorn und für Onobrychis viciifolia am Söllereck genauer untersucht werden. Gibt es dort auch Nachweise für Polyommatus damon? Wird auch O. viccifolia zur Eiablage genutzt?

Die bearbeitende(n) Person(en) sollte(n) schwindelfrei sein und schon eine gewisse Erfahrung und Trttsicherheit in den Bergen mit sich bringen. Am besten sollten die Untersuchungen vor allem in den steilen Bereichen nicht allein unternommen werden. Der Autor würde die Arbeit auch betreuen und für eine Vor-Ort-Betreuung dürfte auch gesorgt werden können.

Literatur:

Böck, O., Stadelmann, H. & Steinmeyer, F. (2025): Erstfunde des Großen Esparsetten-Bläulings (Polyommatus damon) ([Denis & Schiffermüller], 1775) für die Bayerischen Alpen in den Allgäuer Hochalpen und sicherer Erstnachweis der Berg-Esparsette (Onobrychis montana) als Eiablagepflanze für Bayern (Insecta: Lepidoptera: Lycaenidae). Beiträge zur bayerischen Entomofaunistik 25: 1–9.

Online:

https://blog.schmetterlingebayern.de/2025/09/06/der-grosse-esparsetten-blaeuling-oder-streifenblaeuling-polyommatus-damon-im-allgaeu-noerdlichster-fundort-in-den-alpen/

https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1540253