Das Felshalden-Flechtenbärchen (Setina roscida) in Bayern. Neues zu aktuellen Beobachtungen, Ökologie, Habitatpräferenzen, Gefährdungslage und Schutzmaßnahmen einer der seltensten Nachtfalterarten Deutschlands.

Felshalden-Flechtenbärchen, Landkreis Kelheim, 03. Juni 2017 (Foto: Oliver Böck)

Summary: Setina roscida is a diurnal moth from the subfamily of the beetle moths (Arctiinae), it is considered the leading species of variegated earth lichen communities. In Bavaria, the nominate species Setina roscida roscida is found, while the populations in north-eastern Germany belong to the subspecies Setina roscida kuhlweinii. It is one of the rarest moth species in Germany and current records (after 2010) of the nominate species exist outside Bavaria only from the Nahe in Rhineland-Palatinate. This article describes the current population situation of the species, which is threatened with extinction throughout Germany and Bavaria, with a special focus on the current occurrences in Bavaria. Through literature research, the former distribution of the species could be determined in more detail. Observations on the behavior of the larvae as well as the habitat preferences (rocky steppe heaths and and xerotherm sedge grasslands) of this species are presented. In addition, information is provided on the current endangerment situation, on protection and conservation measures and on other special species with which Setina roscida shares former and current habitats, such as the spider species Eresus sandaliatus. Distinctive features of Setina irrorella, which also occurs at the flight site near Kelheim, are mentioned. Searches in Main Franconia are of particular importance, as the last records from there date back to 2012. Potential and former habitats there are mentioned, while the author has searched along the rivers Laaber and Naab several times without success. Please report the species to the portal https://www.schmetterlingebayern.de/

Das Felshalden-Flechtenbärchen (Setina roscida) ist ein tagaktiver Nachtfalter aus der Unterfamilie der Bärenspinner (Arctiinae), Es gilt als Leitart von Bunten Erdflechtengesellschaften. In Bayern kommt die Nominatart Setina roscida roscida vor, während die Populationen in Nordostdeutschland zur Unterart Setina roscida kuhlweinii gerechnet werden. Sie ist eine der seltensten Nachtfalterarten in Deutschland und aktuelle Nachweise (nach 2010) zur Nominatart existieren außerhalb von Bayern nur noch von der Nahe in Rheinland-Pfalz. In diesem Artikel wird die aktuelle Bestandssituation der bundes- und bayernweit vom Aussterben bedrohten Art dargelegt, mit speziellen Blick auf die aktuellen Vorkommen in Bayern. Durch Literaturrecherche konnte die frühere Verbreitung der Art näher eruiert werden. Beobachtungen zum Verhalten der Larven, sowie die Habitatpräferenzen (Felssteppenheiden und xerotherme Erdseggenrasen) dieser Art werden aufgezeigt. Daneben finden sich noch Angaben zur aktuellen Gefährungslage, zu Schutz- und Pflegemaßnahmen und zu anderen besonderen Arten mit der sich Setina roscida die ehemaligen und aktuellen Lebensräume teilt, wie zum Beispiel mit der Spinnenart Eresus sandaliatus. Unterscheidungsmekrmal zu Setina irrorella, die auch am Flugort bei Kelheim vorkommt, werden genannt. Von besonderer Bedeutung sind Nachsuchen in Mainfranken, da von dort zuletzt Nachweise von 2012 stammen. Potentielle und ehemalige Habitate dort werden genannt, während der Autor entlang der Flüsse Laaber und Naab mehrmals erfolglos gesucht hat. Meldungen zur Art bitte an das Portal https://www.schmetterlingebayern.de/

Beobachtungen der Art von 11-17 Uhr, gegen 15 Uhr durch Steffen Schmidt Nachweise zu Paarungsflügen wo bis zu fünf Individuen gefunden werden konnten (https://forum.lepiforum.org). Zumindest unter Zuchtbedingungen und bei Gabe von befeuchtetem Moos konnte er die Raupen in der letzten Haut unter tags beobachten. Seine Beobachtungen werden hier wörtlich übernommen: „Im Schatten oder bei Bewölkung ganztags, bei praller Sonne nur in schattigen Ritzen zwischen Steinen und Moos, welches sie dann wurzelseitig als Nahrung nahmen. Bei der kleinsten Störung, etwa stärkerem Wind oder Bewegung, verkrochen sich die Raupen auch bei Bewölkung – um die Nahrungsaufnahme an den Wurzeln von Moosen und Flechten fortzusetzen. Steinflechten werden genommen, aber nur, wenn diese Abends befeuchtet werden, wie es auch im Lebensraum passieren dürfte. Richtig heiße und trockene Bedingungen scheinen die Raupen problemlos zu überstehen, sie nehmen dann jedoch in der Zucht (meiner Erfahrung nach) keine Nahrung am Tage auf… für Raupennachweise dürfte ein bewölkter Tag Ende März oder Anfang April durchaus vielversprechend sein, am besten Morgens bis etwa 11 Uhr“. Die gefundenen Raupen wurden nur zur Bestimmung eingetragen, da am Fundort auch das Trockenrasen-Flechtenbärchen (Setina irrorella) vorkommt, die geschlüpften Falter wieder punktgenau im Habitat ausgesetzt. Daneben gelang auch der Nachweis einer 2. Generation (https://forum.lepiforum.org). Zur Hauptflugzeit werden regelmäíg 15-30 Exemplare gefunden.

Setina roscida war in Bayern vornehmlich im Oberpfälzer Jura (Mittlere Frankenalb sowie im östlichen Teil der Südlichen Frankenalb) sehr lokal verbreitet. Ein zweiter Verbreitungsschwerpunkt lag in den Mainfränkischen Erdseggenrasen, Nachweise dort auch aus den 1990er Jahren (Tannert 1994 und Weidemann & Köhler 1996). Wahrscheinlich aus den Plattenkalk-Steinbrüchen bei Wintershof stammen vier Meldung zwischen 1979 und 1985 (Thöny 1995). Zudem führt sie Wittstadt (1960) aus der Nördlichen Frankenalb für folgende Orte auf: Abhänge der Ruine Streitberg (Funde von 1922-1934), östlich von Veilbronn (1947) und einmal im Aufseßtal (1952). Bei Nachsuchen im Bereich der ehemaligen Fundorte bei Laaber, Undorf, Deuerling (Metschl & Sälzl 1932-35) auf der Kelheimer Brannt und Kallmünz (Schloßberg, Eicher Berg, Hirmesberg) gelang leider kein Nachweis. Erdseggenreiche, flechtenreiche und steile teilweise felsdurchsetzte Magerrasen existierten dort bis Ende der 2000er Jahren an der Pfarrerplatte und dem Eitelberg zwischen Deuerling und Undorf, am Martinsberg bei Laaber, am Eicher Berg und Hirmesberg bei Kallmünz. Heute dort nur noch kleinflächig zu finden, u.a. durch Eutrophierung oder Koppelhaltung der Flächen. Der in Segerer et al. 2013 genannte Fundort im Landkreis Kelheim konnte in letzter Zeit auch aktuell bestätigt werden.

Felshalden-Flechtenbärchen aktueller Fund, Landkreis Kelheim, 20. Mai 2024 (Foto: Oliver Böck)

Felshalden-Flechtenbärchen-Larve beim Fraß im Habitat, durch Zucht bestätigt, Landkreis Kelheim, 30. März 2018 (Foto: Steffen Schmidt), Falter wurden nach dem Schlupf wieder im Habitat ausgesetzt.

Felshalden-Flechtenbärchen Larvalhabitat, Landkreis Kelheim, 03. Juni 2017 (Foto: Oliver Böck)

Lebensraum Landkreis Kelheim, 13. Mai 2024 (Foto: Oliver Böck)

Art ist für ihre extremen Habitatansprüche bekannt. Sie mag es steil und sudöstlich bis sudwestlich exponiert. Die steinige, lückige und rohbodenreiche Felssteppenheide mit reichlich Erd- und Felsflechtenbewuchs muss dringend durch Beweidung in Hütehaltung offen gehalten werden. Zudem sollte über rohbodenöffnende Maßnahmen auf bromisierteren Flächen am Oberhang nachgedacht werden, die zur Vergrößerung der Habitatflächen führen. Derzeit dürfte die eigentliche Habitafläche nur zwischen einem und 1,5 Hektar betragen. Dort auch Funde von anderen bedeutenden xerothermen Insektenarten wie der Italienischen Schönschrecke (Calliptamus italicus) oder des Libellen-Schmetterlingshafts (Libelloides coccajus). Desweiteren konnte Steffen Schmidet mehrmals die Silberperlenwanze (Jalla dumosa, RL-Bayern 1) ebenda und an einem benachbarten Hang beobachten. Nachweise der Spinnenart Eresus sandaliatus, die daneben noch bei Kallmünz (Schloßberg, Eicher Berg, Hirmesberg) und am Eitelberg bei Undorf beobachtet wurde. Eine Koppelung der Flächen ist dringend zu vermeiden. Derzeit ist die Art im Gebiet stabil aber alleine die Isolation des Fundortes kann schnell zu einem Totalverlust führen.

Aktuell am 13.5.2024 vier Männchen und am 20.5.2024 drei Männchen und ein Weibchen. Die Population scheint kleiner geworden zu sein und die Art dürfte akut vor dem Aussterben stehen. Männchen waren sehr unruhig und flogen bei der kleinsten Störung auf.

In Mainfranken besitzt die Art aktuell ein Vorkommen das letztmalig 2012 bestätigt wurde (https://forum.lepiforum.org). Diese Meldungen konnten durch den Autor auf Grund der Punkte auf der Hinterflügeloberseite, welche der Schwesterart Setina irrorella in den Mittelgebirgen fehlen, genau bestimmt werden, zudem sind die frühe Flugzeit (Start in den ersten drei Maiwochen) und die geringere Größe weitere Indizien für Setina roscida. Eine eigene Nachsuche dort am 5.Mai 2017, bei bedecktem Himmel ergab ein Verdachtstier, welches aber leider nicht gekeschert werden konnte. Durch gezielte Beobachtungen sollte an allen ehemaligen Fundorten mit gut ausgeprägten flechtenreichen Erdseggenrasen wie am Giebel bei Eußenheim, am Ammerfeld bei Aschfeld, im NSG Grainberg-Kalbenstein und an der Ruine Homburg nach der Art dringend Ausschau gehalten werden. Hier muss die Beweidung der Flächen dringend erhalten werden, was sich auch positiv auf Arten wie Hipparchia semele oder Pyrgus carthami auswirkt.

Vorerst letzter Fundort (2012) in Mainfranken: lückiger Erdseggenmagerrasen bei Eußenheim, 5. Mai 2017 (Foto: Oliver Böck)

Insgesamt muss festgestellt werden, dass die Art weiterhin akut vom Aussterben bedroht ist und nur alleine durch naturschutzfachliche Pflegemaßnahmen erhalten werden kann. Dabei ist dringend zu beachten den äußerst lückigen Charakter der Felssteppenheide beizubehalten und die Größe des Larvalhabitats zu vergrößern, denn davon profitieren auch andere hochgradig gefährdete Arten. Ein Monitoring ist dringend angeraten, da die wenigen Funde 2024 einen großen Anlass zur Besorgnis bieten. Über ein Zuchtprogramm sollte ebenfalls nachgedacht werden, da Steffen Schmidt aus den vier eingetragenen Raupen auch vier Falter erhielt, so scheint eine Erhaltungszucht wie sie es zum Beispiel in Tschechien für mehrere Arten unter anderem für die Berghexe (Chazara briseis) gibt, eine gute Option für den Erhalt zu sein (https://www.jarojaromer.cz/wp-content/uploads). Dieses Zuchtprogramm führte zur Wiederetablierung der Art an mehreren Stellen (Sucháčková Bartoňová et al. 2021). Im Moment ist der Fundort im Landkreis Kelheim der aktuellste in ganz Deutschland. Nachweise aus dem Kyffhäuser in Thüringen sind schon fast 20 Jahre alt, aktuell wahrscheinlich nur noch an der Nahe (Rennwald et al. 2011, Schuhmacher 2012). In der Unterart Setina roscida kuhlweinii zuletzt 2013 in Brandenburg (https://www.schmetterlinge-brandenburg-berlin.de). Somit trägt Bayern fast alleine die Verantwortung für dieses besondere Kleinod unserer einheimischen Fauna. Die Ermittlung über noch bestehende Vorkommen auf Mainfrankens Erdseggenrasen sollte ebenfalls eine besondere Priorität geniessen, um Artenhilfsmaßnahmen dort zu starten. Meldungen an unser Portal sind dringend erwünscht. Zur sicheren Bestimmung sollte auf Fotos der Hinterflügelunterseite geachtet werden. Die Verbreitung der Art ist ebenfalls dort zu finden, solange die Literaturangaben mit Datum oder genauerer Fundortangabe versehen waren.

Besonderer Dank an Dr. Steffen Schmidt für das Larvalfoto, zu den ökologischen Beobachtungen im Habitat und bei der Zucht.

Literaturangaben Online:

Rennwald, E. & Rodeland, J. (2024): Beiträge zu Setina roscida im Forum Bestimmung und Forum Diskussion. https://forum.lepiforum.org/post/624867, https://forum.lepiforum.org/post/583083, https://forum.lepiforum.org/post/948785,

https://www.schmetterlinge-brandenburg-berlin.de/index.php/arten-verbreitung

https://www.jarojaromer.cz/wp-content/uploads/Butterfly-conservation-in-practice.pdf

Literatur:

Metschl, C. & Sälzl, M. (1932-35): Die Schmetterlinge der Regensburger Umgebung. Dt. Ent. Z. Iris 46 (1932): 144-152; 47 (1933) 41-59, 167-187; 48 (1934) 78-104, 161-183; 49 (1935) 58-64. Dresden.

Rennwald, E.; Sobczyk, T. & Hofmann, A. (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Spinnerartigen Falter (Lepidoptera: Bombyces, Sphinges s.l.) Deutschlands. – In: Binot-Hafke, M.; Balzer, S.; Becker, N.; Gruttke, H.; Haupt, H.; Hofbauer, N.; Ludwig, G.; Matzke-Hajek, G. & Strauch, M. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 243-283

Segerer, A.H; Lichtmannecker, P.; Haslberger, A.; Grünewald, T. (2013): Bemerkenswerte Schmetterlingsfunde aus Bayern im Rahmen laufender Projekte zur genetischen Re-Identifikation heimischer Tierarten (BFB, GBOL) – 3. Beitrag (Insecta: Lepidoptera) – Nachrichtenblatt der Bayerischen Entomologen – 062: 2 – 9.

Schumacher H. (2012): Biotoppflegemaßnahmen in der Gemeinde Schloßböckelheim – Melanargia – Nachrichten der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. – 24: 45 – 47.

Sucháčková Bartoňová, A.; Konvička, M.; Marešová, J.; Bláhová, D.; Číp, D.; Skala, P.; Andres, M.; Hula, V.; Dolek, M.; Geyer, A.; Böck, O.; Kadlec, T.; Faltýnek Fric, Z. (2021): Extremely Endangered Butterflies of Scattered Central European Dry Grasslands Under Current Habitat Alteration. Insect Systematics and Diversity. Volume 5, Number 5 – 1-18.

Tannert, R. (1994): Erhebungen zur Schmetterlingsfauna 1988 bis 1990 (Lepidoptera) Kalkhochplateau und exponierte Trockenrasenhänge westlich Aschfeld/Unterfranken – Galathea, Berichte des Kreises Nürnberger Entomologen e.V. – 10: 107 – 120.

Thöny, H. (1995): Beitrag zur Schmetterlingsfauna der Region Ingolstadt/Eichstätt Dokumentation der Großschmetterlinge von Ingolstadt und seiner Umgebung – facetta – Berichte der Entomologischen Gesellschaft Ingolstadt e.V. – Supp1: 1 – 255.

Weidemann, H.J. & J. Köhler (1996);: Nachtfalter. Spinner & Schwärmer. Augsburg
(Naturbuch-Verlag).

Wittstadt, H. (1960): Die Großschmetterlinge des Regnitzgebietes – Bericht der naturforschenden Gesellschaft Bamberg – 37: 62 – 154.

Gefährdungslage des Weißen Waldportiers (Brintesia circe) in Bayern

Weißer Waldportier Kopula, Landkreis Kelheim, 26. Juni 2014 (Foto: Markus Dumke)

Weißer Waldportier Raupe, Landkreis Kelheim, 21. Mai 2022 (Foto: Markus Dumke)

Der Weiße Waldportier (Brintesia circe) war in Bayern bis Anfang der 2010er Jahre auf die Kerngebiete der Südlichen (Gailachtal, Wellheimer Trockental, Usseltal, Unteres Altmühltal) und Mittleren Frankenalb (Truppenübungsplatz Hohenfels, Täler von Lauterach, Naab, Schwarzer Laaber und im Regensburger Jura) beschränkt, wo eine deutliche Zunahme der Individuendichten auf großflächigen Magerrasen zu verzeichnen ist. Da die Tiere sehr flugaktiv sind, können sie von dort aus auch benachbarte Flächen besiedeln. Vor allem in den letzten 10 Jahren breitet sich die Art aus. Entlang der Lauterach konnte inzwischen die Nördliche Frankenalb bis Pommelsbrunn erreicht werden. Weitere Ausbreitungen sind entlang der Naab bis ins Oberpfälzer Hügelland zu beobachten. An der Donau Einzelfunde von Vohburg bis Donaustauf, nördlich davon mehrere Nachweise im Falkensteiner Vorwald und entlang des Regen. Dort Einzelfunde bis in den Vorderen Oberpfälzer Wald. Neuerdings auch Sichtungen aus dem Hinteren Oberpfälzer und Bayerischen Wald. Weitere Beobachtungen im Passauer Abteiland und im Neuburger Wald. In der Südlichen Frankenalb inzwischen auch entlang der Wissinger und Weißen Laaber. Auf kleineren Magerrasen entlang der Donau östlich von Donauwörth. An der Altmühl fast geschlossenes Fluggebiet zwischen Treuchtlingen und Kelheim. Die Art scheint eine der wenigen zu sein, die vom Klimawandel und der aktuellen Pflege der Flächen profitieren und von der Vergrasung einiger Flächen nicht.betroffen zu sein scheint. Vereinzelt auf mesophilen Grünland wie zum Bespiel im Falkensteiner Vorwald auch in höheren Individuendichten beobachtet. Andererseits wie im Vorderen Oberpfälzer Wald ein Exemplar auf einem Granitxerothermrasen. Neufunde dürften bestimmt im Raum Chamer-Further-Senke im Regental zu tätigen sein. Alle Meldungen bitte gerne ins Portal stellen. Die weitere Ausbreitung der Art und die Reproduktion in den neu besiedelten Gebieten sollte weiter beobachtet werden.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Brintesia%20circe

Weißer Waldportier Larvalhabitat, Landkreis Kelheim, 21. Mai 2022 (Foto Markus Dumke)

Gefährdungslage des Segelfalters (Iphiclides podalirius) in Bayern

Segelfalter, Landkreis Regensburg, 28. April 2022 (Foto: Thomas Netter)

Segelfalter Raupe, Landkreis Eichstätt, 3. Juli 2022 (Foto: Thomas Netter)

Der Segelfalter (Iphiclides podalirius) kommt in Mainfranken z. T. in hohen Individuendichten auf Kalkmagerrasen entlang des Mains und der Fränkischen Saale von Kleinochsenfurt inzwischen bis Münnerstadt regelmäßig vor und strahlt neuerdings auch in den Sandsteinspessart und das Grabfeld aus. In der Mittleren Frankenalb z. T. gute Individuendichten auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels und entlang der Lauterach und Naab z. B. bei Kallmünz. Aktuell (2025) bedeutende Funde im Raum Hammelburg, Karlstadt und bei Kallmünz. An der Schwarzen Laaber zwischen Schönhofen und Laaber durch Pflegemaßnahmen in den letzten Jahren leider nicht mehr gefunden. Gleiches gilt für die Südliche Frankenalb entlang der Unteren Altmühl zwischen Riedenburg und Kelheim. In den großflächigen Magerrasen und Steinbruchgebieten zwischen Eichstätt und Solnhofen noch regelmäßig und teilweise in guten Individuendichten. Ein Einzelnachweis von 2019 bei Chamerau am Regen dürfte auf Verdriftung oder Verschleppung zurückzuführen sein. In Südbayern liegen Nachweise aus den Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen vor. Dort in den letzten Jahren immer wieder Funde zwischen Reit im Winkel und dem Raum Bad Reichenhall. Die Hauptvorkommen dürften im Saalachtal auf österreichischer Seite liegen (z. B. Leoganger Steinberge) und von dort nach Bayern ausstrahlen. Eiablagenachweise der Art auf bayerischer Seite wurden aktuell (2025) durch Marco Benaglia gemeldet. https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1217966 und https://www.tagfalterbayern.de/beobachtung?id=1216431. Die Eiablage erfolgte an der Gewöhlichen Felsenbirne (Amelanchier ovalis). Es konnten in zwei verschiedenen Gebieten vier und zwei Eier von ihm gefunden werden. Durch den Klimawandel wird sie in ihren Kerngebieten häufiger und zeigt wie in Mainfranken deutliche Ausbreitungstendenzen. Sie ist aber weiterhin durch unsachgemäße Pflegemaßnahmen gefährdet.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Iphiclides%20podalirius

Segelfalter Larvalhabitat, Landkreis Bad Kissingen, 9. Juni 2023 (Foto: Maximilian Schmucker)

Segelfalter-Eiablagestelle an Felsen-Birne (Amelanchier ovalis) in den Bayerischen Alpen, Landkreis Berchtesgaden, 30. Mai 2025 (Foto: Marco Benaglia)

Gefährdungslage des Steppenheiden-Würfel-Dickkopfs (Pyrgus carthami) in Bayern

Steppenheide-Würfel-Dickkopf, Landkreis Main-Spessart, 1. Juni 2022 (Foto: Korbinian Schrauth)

Der Steppenheide-Würfel-Dickkopf (Pyrgus carthami) ist in Bayern zuletzt noch in zwei Naturräumen nachgewiesen worden. Vermutlich ist er aber inzwischen auf der Mittleren Frankenalb erloschen. Als Gründe werden eine zu geringe Beweidungsintensität und eine Beweidung zur Hauptflugzeit vermutet. Gezielte Nachsuche blieb erfolglos. Die letzten Nachweise wurden 2010 am Eitelberg bei Undorf und 2015 am Schloßberg bei Kallmünz erbracht. In Mainfranken besteht noch eine Metapopulation in den steingen und rodbodenreichen Erdseggenmagerrasen um Karlstadt, Gambach über den Truppenübungsplatz bis ins Fränkische Saaletal bei Hammelburg. Vereinzelt noch bei Marktheidenfeld in einem Steinbruch. Außerdem im Grabfeld bei Unsleben und Mittelstreu sowie bei Ostheim/Rhön am Weyhershauk. Die Art ist als vom Aussterben bedroht einzustufen und die derzeitige Habitatpflege dringend zu erhalten und zu verbessern. Bedroht durch Aufgabe intensiver Beweidung in Hütehaltung (Sukzession), Bromisierung durch Stickstoffeintrag und Koppelbeweidung.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Pyrgus%20carthami

Steppenheide-Würfel-Dickkopf Lebensraum, Landkreis Main-Spessart, 7. Juni 2022 (Foto: Alexander Ohr)

Gefährdungslage des Alexis-Bläulings (Glaucopsyche alexis) in Bayern

Alexis-Bläuling Kopula, Landkreis Amberg-Sulzbach, 19. Juni 2021 (Foto: Bernhard Stoeckhert)

Alexis-Bläuling Raupe, Landkreis Würzburg, 21. Juni 2022 (Foto: Korbinian Schrauth)

Der Alexis-Bläuling (Glaucopsyche alexis) ist in Bayern vor allem in Mainfranken entlang von Main und Fränkischer Saale bis ins Grabfeld und in die Vorder- und Kuppenrhön auf Kalkmagerrasen verbreitet. Davon isolierte Vorkommen entlang des Mains z. B. im Vogelschutzgebiet Garstädter Seen und im Sandsteinspessart. Noch stabil entlang breiter Waldwege und auf Pfeifengraswiesen in den Mittelwäldern des Südlichen Steigerwaldes. Dort auch auf Gipskeuper-Magerrasen. In der Mittleren Frankenalb v. a. am Standortübungsplatz Hohenfels und den benachbarten hochwertigen und strukturreichen Magerrasen entlang der Naab und Lauterach. In vielen Bereichen ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Vereinzelt an der Schwarzen Laaber und am Keilstein bei Regensburg. Auf der Südlichen Frankenalb nur noch halbwegs stabil bei Kelheimwinzer. Bei Matting und im Riedenburger Schambachtal vom Aussterben bedroht. Ursachen für den Rückgang vor allem in der Frankenalb sind u. a. die meist gleichförmige Beweidung der Flächen (Verschwinden von Saumstandorten), die Bromisierung durch Stickstoffeintrag (Vergrasung der Flächen), ungünstige Beweidungszeitpunkte sowie Koppelbeweidung und Verbuschung durch Aufgabe der Bewirtschaftung.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Glaucopsyche%20alexis

Alexis-Bläuling Larvalhabitat, Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, 3. Juni 2022 (Foto: Alexander Ohr)

Gefährdungslage des Flockenblumen-Scheckenfalters (Melitaea phoebe) in Bayern

Flockenblumen-Scheckenfalter Kopula, Landkreis Rosenheim, 27. Juni 2022 (Foto: Markus Dumke)

Flockenblumen-Scheckenfalter Jungraupen mit Gespinst, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, 3. August 2023 (Foto: Thomas Netter)

Bundesweit auf Bayern beschränkt ist der Flockenblumen-Scheckenfalter (Melitaea phoebe). In Mainfranken Vorkommen entlang des Mains und der Fränkischen Saale von Karlstadt bis Münnerstadt. In Nordbayern vor allem auf der Nördlichen Frankenalb u. a. auf beweideten und gemähten Kalkmagerrasen im Staffelbergjura. Östlich davon in Muschelkalkgebieten bei Kronach und Bayreuth. In den Haßbergen seit 2010 nicht mehr nachgewiesen. In der Mittleren Frankenalb vor allem auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels sowie in den Flusstälern von Schwarzer und Wissinger Laaber, Naab und Lauterach auf hochwertigen und strukturreichen Magerrasen. Dort sind Rückgänge zu verzeichnen. In der Südlichen Frankenalb nur noch im Riedenburger Schambachtal verbreitet, dort ebenfalls rückläufig. Im Südlichen Steigerwald akut vom Aussterben bedroht. In Südbayern inzwischen auf die Alpen beschränkt. Gute Vorkommen in der Nagelfluhkette, Teilen des Vilser Gebirges und der Allgäuer Hochalpen. Ansonsten kommt die Art nur noch in den westlichen Chiemgauer und in den Berchtesgadener Alpen in geringer Dichte vor. In den Alpen auf Rinderweiden. Bedroht ist die Art durch nachlassende (Sukzession), zu intensive Pflege der Kalkmagerrasen ( vor allem Koppelbeweidung) und die Bromisierung durch Stickstoffeinträge. In den Alpen durch Gülleausbringung und Aufgabe von Almen.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Melitaea_phoebe

Flockenblumen-Scheckenfalter Larvalhabitat, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, 3. August 2023 (Foto: Thomas Netter)

Gefährdungslage des Roten Scheckenfalters (Melitaea didyma) in Bayern

Roter Scheckenfalter Kopula, Landkreis Eichstätt, 4. Juli 2022 (Foto: Norbert Dippold)

Melitaea didyma Raupe, Landkreis Kelheim, 15. Juni 2021 (Foto: Thomas Netter)

Der Rote Scheckenfalter (Melitaea didyma) kommt hauptsächlich in Bayern von Mainfranken bis zur Rhön vor, z.T. noch individuenreich, z.B. bei Ostheim v.d. Rhön oder um Karlstadt. Im Südlichen Steigerwald und im Grabfeld bei Herbstadt steht sie kurz vor dem Aussterben. In der Nördlichen Frankenalb auf den Weismainjura und den Truppenübungsplatz Grafenwöhr beschränkt. In der Mittleren Frankenalb stabil auf den Truppenübungsplatz Hohenfels. Ansonsten fast nur noch auf den Kalkmagerrasen in den Flusstälern der Lauterach und der Naab nachzuweisen. Rückgänge im Tal der Schwarzen Laaber. In der Südlichen Frankenalb nur noch stabil in den Magerrasen und Steinbrüchen des Gailachtals und an der Arnsberger Leite im Altmühltal. Im Riedenburger Schambachtal stark zurückgegangen. Die Art besiedelt lückige, großflächige und strukturreiche Magerrasen. Sie ist weiterhin stark rückläufig. Die Ursachen liegen entweder in der nachlassenden Pflege (Sukzession) oder in der Änderung der Beweidung der Flächen (braucht mindestens zweimalige scharfe Beweidung im engen Gehüt), Koppelbeweidung und die Bromisierung durch Stickstoffeintrag. Ein möglichst früher Beweidungszeitpunkt zur Entgegenwirkung der Vergrasung wäre, wie bei vielen Arten die auf lückige Kalkmagerrasen spezialisiert sind, eine mögliche Maßnahme zur Erhaltung. Die Schaffung von offenen Rohbodenstellen oder bei starker Vergrasung ein abbrennen der Vegetation wären weitere Maßnahmen in Habitaten der Art.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Melitaea_didyma

Melitaea didyma Larvalhabitat, Landkreis Kelheim, 15. Juni 2021 (Foto: Thomas Netter)

Gefährdungslage des Zahnflügel-Bläulings (Polyommatus daphnis) in Bayern

Zahnflügel-Bläuling Kopula, Landkreis Rhön-Grabfeld, 4. August 2020 (Foto: Oliver Böck)

Der Zahnflügel-Bläuling (Polyommatus daphnis) kommt in Bayern in zwei Naturräumen vor. In Mainfranken scheinen die Bestände stabil zu sein, die Art fliegt hier entlang des Mains und der Fränkischen Saale zwischen Kleinochsenfurt und der Vorrhön. Meist sind es aber nur wenige Exemplare, die auf den einzelnen Flächen gefunden werden. Die besten Vorkommen derzeit auf gemähten Kalkmagerrasen im Raum Münnerstadt. Im Grabfeld bei Herbstadt vermutlich erloschen, auch bei Oberelsbach stark zurückgegangen. In der Nördlichen und Mittleren Frankenalb nur noch um die beiden Truppenübungsplätze bei Grafenwöhr und Hohenfels stabile Bestände. Wiedernachweis im Hirschbachtal. Um Hohenfels in den angrenzenden Flusstälern von Lauterach und Naab, sonst stark rückläufig, wie im Schwarzen Laabertal. Auf der Südlichen Frankenalb nur noch Vorkommen im Gailachtal, dort sowohl in den ehemaligen Steinbrüchen als auch auf den Magerrasen. Des weiteren im Katzental bei Böhmfeld, im Schambachtal bei Riedenburg, an der Unteren Altmühl bei Kelheimwinzer und in Steinbrüchen bei Eichstätt, sonst wie bei Dollnstein zuletzt fehlend. Die Art ist also weiterhin stark im Rückgang begriffen. Die aktuellen Funde geschehen meist nur noch auf großflächigen und divers strukturierten Kalkmagerrasen. Um Münnrstadt werden besiedelte Flächen durch Wintermahd bewirtschaftet. Rückgänge u.a. durch Verbuschung oder zu intensive ganzflächige Beweidung der Flächen, deren Bromisierung durch Stickstoffeintrag und Koppelbeweidung. Weiterhin stark gefährdet.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Polyommatus%20daphnis

Lebensraum des Zahnflügel-Bläulings, Landkreis Bad Kissingen, 11. Juli 2022 (Foto: Maximilian Schmucker)

Gefährdungslage des Schwarzen Apollofalters (Parnassius mnemosyne) in Bayern

Schwarzer Apollo, Landkreis Rosenheim, 21. Juni 2022 (Foto: Oliver Böck)

Schwarzer Apollo Raupe, Landkreis Rosenheim, 14. Mai 2022 (Foto: Markus Dumke

Der Schwarze Apollofalter (Parnassius mnemosyne) kommt heute nur noch in zwei Naturräumen Bayerns vor. In der Rhön fliegt er auf gemähten oder beweideten Wiesen an Waldinnen- und -außenrändern. Dort ist die Situation stabil, z. B. an den Hängen des Kreuzbergs oder im NSG Mühlwiesen im Elsbachtal. In den Bayerischen Alpen stabile Bestände in der Nagelfluhkette, am Grünten, im Mangfallgebirge und in den Chiemgauer Alpen, dort z. T. in hoher Individuendichte, z. B. im Grubalmkessel im Hochriesmassiv. Die Reproduktion erfolgt dort in einem Mosaik aus Rinderweiden, Felsen, Felsschuttfluren und lichten Waldaußensäumen. Stabil auch im Königsseegebiet in den Berchtesgadener Alpen. In der Rhön muss die Art aufgrund ihrer Abhängigkeit von der extensiven Mähwiesenpflege jedoch weiterhin als stark gefährdet eingestuft werden. In den Alpen Bedrohung durch Aufgabe von Almen und Gülleeintrag.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Parnassius_mnemosyne

Schwarzer Apollo Larvalhabitat, Landkreis Rosenheim, 14. Mai 2022 (Foto: Markus Dumke)

Gefährdungslage des Roten Apollofalters (Parnassius apollo) in Bayern

Roter Apollo, Landkreis Eichstätt, 22. Juli 2021 (Foto: Erich Hacker)

Der Rote Apollofalter (Parnassius apollo) kommt in Bayern nur noch in zwei Naturräumen vor. Auf der Frankenalb ist er im Norden im Kleinziegenfelder Tal zwischen Kleinziegenfeld und Schammendorf auf felsreichen Magerrasen und Straßenstützhängen in wechselnder Populationsdichte verbreitet. Im Altmühljura.auf feinscherbigen Plattenkalkhalden der Steinbrüche zwischen Eichstätt und Langenaltheim. Durch die Kooperation mit dem Steinbruchabbau sind die Bestände dort noch stabil. Kleinere Vorkommen auch an einem Bahndamm bei Eichstätt sowie an den Straßenböschungen der A9 bei Kinding. Von dort strahlt sie in das Birktal, das Anlautertal und an die Arnsberger Leite aus, wo sie sich inzwischen nur noch sporadisch reproduziert. In den Alpen Vorkommen in der Nagelfluhkette durch Gülleeintrag gefährdet, vor allem submontan, aber noch verbreitet auf Almen mit Sedum album bewachsenen Felsen oder Schutthalden unterhalb von Felswänden. Im Ammergebirge aktuell gefunden. Bei Mittenwald auf Schuttreissen, die durch Lawinenabgänge freigehalten werden, stabil. Im Mangfallgebirge ist die Verbreitung noch unklar. Individuenrückgang in den Chiemgauer Alpen z. B. im Hochriesmassiv oder am Heuberg, dort durch Verbuschung der Habitate und das zuwachsen von Felsen. Weitere Vorkommen am Seehauser Hochkienberg und am Hochstaufen. In den Berchtesgadener Alpen auf verschiedenen Almen vom Jenner bis zur Fischunkelalm östlich und südlch des Königssees, westlich im Watzmannmassiv. Bedrohung in den Alpen auch generell durch Aufgabe von Almen. Die Art ist nach wie vor außeralpin stark gefährdet, vor allem auch deshalb, weil es an erfahrenem Nachwuchs fehlt, der in der Lage wäre, die Arbeit von Adi Geyer auf der Frankenalb fortzusetzen.

https://www.tagfalterbayern.de/art?art=Parnassius%20apollo

Roter Apollo Larvalhabitat, Landkreis Oberallgäu, 21. Mai 2016 (Foto: Oliver Böck)